Prof. Dr. Volker Ronges letzter Rechenschaftsbericht seiner Rektorzeit/Nach 17 Jahren Hochschulleitung die Bilanz fast eines halben Berufslebens

13.03.2008

Ich habe mich eingesetzt

Prof. Dr. Volker Ronges letzter Rechenschaftsbericht seiner Rektorzeit/
Nach 17 Jahren Hochschulleitung die Bilanz fast eines halben Berufslebens

Eigentlich hätte die Amtszeit des von Rektor Prof. Dr. Volker Ronge geführten Rektorats der Bergischen Universität bereits Ende September vergangenen Jahres geendet. Doch das neue NRW-Hochschulgesetz sorgte für grundlegende strukturelle Veränderungen an den Hochschulen, die zunächst umzusetzen waren, sodass die Amtszeiten von Personen und Gremien entsprechend verlängert wurden. Dem Senat der Bergischen Universität legte Prof. Ronge, dessen Amtszeit nunmehr am 31. August 2008 endet, jetzt seinen letzten Rechenschaftsbericht vor. Wir veröffentlichen Auszüge.

Ich habe das Amt des Rektors inzwischen länger als zwei Amtsperioden ausgeübt – nach zuvor bereits zwei Perioden als Prorektor für Finanzen. Insgesamt ergibt das fast 17 Jahre, d.h. in etwa die Hälfte eines Berufslebens. Ob ich mein Amt erfolgreich oder auch nur "zufrieden stellend" ausgeübt habe – das zu beurteilen ist nicht meine Sache. Ich habe getan, was ich konnte und was ich für richtig gehalten habe – wozu auch das gehört, wofür mich manche kritisiert oder gescholten haben. Lassen Sie mich heute einige meiner Auffassungen, Positionen und Entscheidungen rekapitulieren.

Ich habe mich eingesetzt
• für die selbständige Fortexistenz der Bergischen Universität,
• für die Aufrechterhaltung der unkonventionellen und breiten Fächerkomposition der Universität,
• für die Aufrechterhaltung des Maschinenbaus.

Meine Rektortätigkeit begann, daran sei erinnert, mit dem sogenannten Expertenrat und seiner landesweiten Hochschulevaluation, dem anschließenden "Qualitätspakt" und der die Bergische Universität in diesem Zusammenhang speziell sanktionierenden Mediation. Wuppertal schlug der Wind ins Gesicht.

Ich habe für die Aufrechterhaltung des Maschinenbaus erfolgreich gekämpft – übrigens weniger, weil dieser angeblich für diese Region so wichtig sei, sondern weil er zu einer – kleinen – Technischen Hochschule gehört, eine der Säulen der Bergischen Universität neben Elektrotechnik und Bauingenieurwesen, und weil das Wuppertaler Kleinod der Sicherheitstechnik ohne Maschinenbau keine Chancen gehabt hätte. Inzwischen ist der Maschinenbau universitäre Disziplin mit einem durch Design-Elemente originellen Studiengang und respektablem Studentenzugang. Das Fach hat zu seinem Bachelor-Studiengang einen englisch-sprachigen Masterstudiengang hinzubekommen. Und es erhält ein von einer Stiftungsprofessur geführtes eigenes Forschungsinstitut in Velbert/ Heiligenhaus, verankert in Region und unternehmerischer Praxis. Das ist eine fast unheimliche Erfolgsgeschichte!

Ich habe mich eingesetzt
• für die Aufrechterhaltung der Psychologie. Das Fach hat die Stellenkürzung ausgehalten, betreibt jetzt einen Bachelor-Studiengang und wird noch eine Master-Aufrüstung in Wirtschaftspsychologie erfahren;
• für die Wiedereinführung eines eigenständigen Soziologie-Studiengangs (zunächst als Bachelor), nachdem der Diplom- Studiengang Sozialwissenschaften vom Expertenrat eingestellt worden war;
• für die Kompensation der vom Expertenrat eingestellten Diplom-Pädagogik durch einen auf Kindheitsforschung spezialisierten Master-Studiengang;
• für verstärkte Internationalisierung, die – gegen einen in unserer kleinen Region nicht selten, leider öffentlichkeitswirksam propagierten Provinzialismus – für eine Universität selbstverständlich ist und in vielen Fächern intensiv gepfl egt wird, insbesondere in bislang weniger darauf ausgerichteten Ingenieurdisziplinen, die wegen sinkenden Studier-Interesses aus Deutschland strukturell existenzgefährdet sind.

Hat sich immer für Internationalisierung eingesetzt:
Rektor Prof. Dr. Volker Ronge mit dem ehemaligen
chinesischen Studenten Zhonghua Guo, 27. Hat sich immer für Internationalisierung eingesetzt: Rektor Prof. Dr. Volker Ronge mit dem ehemaligen chinesischen Studenten Zhonghua Guo, 27.

Meine Internationalisierungsbemühungen liefen immer parallel zu einer verstärkten Bezugnahme auf die Region. Während meiner Amtszeit wurden erstmals Solingen und Remscheid durch An-Institute mit Universitäts- Adresse versehen. Und nun ist auch "Niederberg" in die Bezugsregion der Bergischen Universität eingeholt worden – so viel bergischen Bezug gab es in der Geschichte der Bergischen Universität noch nie.

Ich habe mich eingesetzt
• für Studiengebühren – gegen eine (immer noch) aktive Front prinzipieller Gegner, die sich keineswegs nur aus Studenten rekrutiert. Es zeigt sich heute, dass es ohne Studienbeiträge gar nicht mehr geht.

Noch ein Wort zur Lehrerbildung – gegen zum Teil höchst eigenartige Kritik von außerhalb wie innerhalb der Universität. Ganz schlicht: Ohne eine gewichtige "Profilsäule" der Lehrerbildung wäre die Uni Wuppertal bereits tot. In dieser Hinsicht waren Expertenrat und Qualitätspakt für die Wuppertaler Uni geradezu ein Segen, weil andernorts (Bonn, Düsseldorf) die – gymnasiale – Lehrerbildung eingestellt wurde, was Umlenk- Effekte u.a. nach Wuppertal zur Folge hatte. Wir können darüber nur froh sein! Nehmen wir nur die Sportwissenschaft bzw. das Lehramt Sport: Wir haben von der Düsseldorfer Einstellung auf beiden Ebenen profitiert, im Studentenzugang und durch Versetzung von Dozenten nach Wuppertal. Wenn wir jetzt in diesem Jahr noch eine Sportmedizin-Professur hinzufügen, ist das Fach Sport hervorragend ausgestattet – ausgelastet übrigens auch.

Hervorzuheben ist auch die klare Entscheidung, die wir in Wuppertal frühzeitig zugunsten eines neuen, gegenüber der Tradition radikal veränderten Strukturmodells für die Lehrerbildung getroffen haben – abweichend von den Konzepten anderer "Modellhochschulen". Unsere Entscheidung für ein eben nicht nur auf Lehrerbildung spezifiziertes 2-Fach-Bachelor-Modell und die erst im Master-Studium dann eindeutige Ausrichtung auf die Lehrämter (Master of Education) hat Bestätigung gefunden.

Aufgrund einer Initiative der Bauingenieure haben wir die Berufsausbildung des dualen Systems mit einem Bachelor- Studium so verzahnt, dass in vier Jahren Berufsbildungsabschluss und Bachelor-Diplom erworben werden. Die Verbindung der Berufsausbildung mit einem universitären Studium ist selten, aber hochattraktiv, eine herausragende Bildungsinnovation.

Sehnlichst erwartet wird der Bachelor-Studiengang
Musikalische Grundbildung, Prof. Ronge mit
Musikhochschul-Rektor Prof. Josef Protschka und
dem Wuppertaler Dekan Prof. Dieter Kreidler. Sehnlichst erwartet wird der Bachelor-Studiengang Musikalische Grundbildung, Prof. Ronge mit Musikhochschul-Rektor Prof. Josef Protschka und dem Wuppertaler Dekan Prof. Dieter Kreidler.

Vielleicht erlebe ich es noch im Amt, dass das von mir sehnlichst erwartete Projekt eines Bachelor-Studiengangs für Musikalische Grundbildung in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Köln am Standort Wuppertal "aus der Taufe" kommt. Dafür habe ich mich seit Jahren eingesetzt – als Beitrag zur Verbesserung der beklagenswert desolaten Musikerziehung in den Schulen, insbesondere in den Grundschulen. Jetzt ist das Projekt in der Akkreditierung. Falls diese gut geht, kann der Studiengang im kommenden Wintersemester aufgenommen werden.

Dieses Projekt steht nicht im Mittelpunkt. Aber es vereint zentrale Kriterien und Aspekte, die für meine Politik als Rektor generelle Geltung beanspruchen können: Gesellschaftliche Relevanz, wissenschaftliche oder akademische Innovativität, auch Originalität. Und wenn das Ganze dann auch noch regional bedeutsam ist – umso besser!


Rechenschaftsbericht von Prorektorin Prof. Dr. Annegret Maack (Studium und Lehre)
Rechenschaftsbericht von Prorektor Prof. Dr. Wolfgang Spiegel (Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs)
Rechenschaftsbericht von Prorektor Prof. Dr. Heinz-Reiner Treichel (Struktur und Finanzen)
Rechenschaftsbericht von Kanzler Hans-Joachim von Buchka
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