Straßenbauforscher belegen europäische Spitzenplätze

30.04.2008

Straßenbauforscher belegen europäische Spitzenplätze

Im Rahmen des von der Europäischen Union veranstalteten größten europäischen Straßen- und Verkehrskongresses "Transport Research Arena 2008" mit über 1300 Teilnehmern in Ljubljana haben bei einem Forschungswettbewerb europäischer Doktoranden zwei junge Wuppertaler Bauingenieure Spitzenplätze erzielt. Unter 295 eingereichten Beiträgen aus 25 EU-Ländern wurden 47 Beiträge ausgewählt, die den Konferenzteilnehmern vorgestellt wurden. Darunter waren die beiden Wuppertaler Straßenbauforscher Dipl.-Ing. Lars Neutag und Dipl.-Ing. Pahirangan Sivapatham unter nur drei deutschen Finalisten. Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiter im Lehr- und Forschungsgebiet Straßenentwurf und Straßenbau bei Prof. Dr.-Ing. Hartmut Beckedahl.

Der Doktorandenwettbewerb unter der Schirmherrschaft des EU-Kommissars für Wissenschaft und Forschung, Janez Potoènik, hatte in sechs Bereichen Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ausgelobt. Lars Neutag und Pahirangan Sivapatham konnten im Bereich Infrastruktur, Konstruktion & Design, in dem mehr als 80 Beiträge eingereicht worden waren, ihr Forschungsthema präsentieren. Lars Neutag gewann mit seiner "Untersuchung von gummimodifizierten Bitumen für innovative Asphaltstraßen" die einzige Medaille für Deutschland. Pahirangan Sivapatham belegte mit seinen Untersuchungen zum "Einfluss des Performanceverhaltens des Asphaltaufbaus auf die Qualität des Straßenaufbaus – Vergleich zwischen konventionellem und innovativen Asphalt" einen Platz unter den besten sieben.

Lars Neutag (31), gebürtiger Remscheider (Abi am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium), machte 2005 sein Diplom als Bauingenieur an der Bergischen Universität und ist seither Doktorand bei Prof. Dr.-Ing. Hartmut Beckedahl. Seine Forschungsarbeit über den Einfluss von gummimodifizierten Bitumen auf die Eigenschaften von Bitumen und Asphalt wird in Kooperation des Asphaltprüflabors BESTLAB der Bergischen Uni mit der Heiden Labor Baustoff- und Umweltprüfung GmbH bei Rostock mit finanzieller Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums umgesetzt. Dabei wurden umfangreiche Untersuchungen von modifizierten Bitumen unter Verwendung von Gummipartikeln aus recycelten Altreifen durchgeführt. Es zeigte sich, dass durch Gummizugabe das Verhalten bei tiefen und hohen Temperaturen (Spurrinnenbildung) deutlich verbessert werden kann und dass sich durch die Zugabe von Gummipartikeln herkömmliche Bitumen zu qualitativ hochwertigen Bindemitteln veredeln lassen und so verschiedene Eigenschaften wie Ermüdungsverhalten, Wärmestandfestigkeit, Tieftemperaturverhalten, Viskosität oder Elastizität optimiert werden können.

Pahirangan Sivapatham (33) stammt aus Sri Lanka, kam im Alter von 14 Jahren nach Wuppertal und machte an der Gesamtschule Ronsdorf Abi. 2004 erhielt er sein Diplom als Bauingenieur. In seiner Doktorarbeit untersucht Sivapatham den Einfluss des Verdichtungsgrades auf das Gebrauchsverhalten von Asphaltaufbauten. Gemäß deutschen Richtlinien ist für die Unterschreitung des vereinbarten Verdichtungsgrads ein Abzug vom Einheitspreis durch den Auftraggeber der Straßenbaumaßnahme vorgesehen. In dieser Abzugsformel wird nur der Verdichtungsgrad berücksichtigt, der Einfluss der Asphaltqualität und des verwendeten Bindemittels auf den Verdichtungsgrad dagegen nicht. Deshalb wurde der Einfluss verschiedener Bindemittel für unterschiedliche Verdichtungsgrade zum Gebrauchsverhalten von Asphalt untersucht. Ergebnis: Innovativer Asphalt mit hohen Polymeranteilen weist außergewöhnliche Qualität im Gebrauchsverhalten auf. Testergebnisse zeigen, dass das Bindemittel einen signifikanten Einfluss auf die Qualität des Straßenaufbaus bei abnehmendem Verdichtungsgrad hat. Innovativer Asphalt mit einem Verdichtungsgrad von 94 Prozent hat eine längere Nutzungsdauer und geringere Erhaltungskosten als konventioneller Asphalt mit einem Verdichtungsgrad von 100 Prozent.

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2008/0430_strassenbau.html