Erfahrungen und Bewertungen von Prof. Dr. Hans Maier

28.05.2008

1968 – ein Jahrhundert-Ereignis?

Erfahrungen und Bewertungen von Prof. Dr. Hans Maier

Rektor Prof. Dr. Volker Ronge begrüßte Prof. Dr. Hans Maier auf dem Grifflenberg. Rektor Prof. Dr. Volker Ronge begrüßte
Prof. Dr. Hans Maier auf dem Grifflenberg.
Fotos Maren Wagner

Der frühere bayerische Kultusminister – von 1970 bis 1986 – und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Hans Maier war zu Gast an der Bergischen Uni und hielt im Rahmen der Ringvorlesung "1968 und die Folgen für Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur in Deutschland" einen Vortrag mit dem Titel "1968 - aus der Nähe erlebt, aus der Ferne beurteilt".

Vor der Veranstaltung hatte Rektor Prof. Dr. Volker Ronge Prof. Maier, der von 1976 bis 1988 auch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und von 1978 bis 1987 Abgeordneter des Bayerischen Landtages war, an der Bergischen Universität willkommen geheißen. Die beiden Politikwissenschaftler tauschten Erinnerungen an gemeinsame Weggefährten aus, z.B. Ronges Berliner Doktorvater Prof. Kurt Sontheimer, sprachen über historische Entwicklungen in der Hochschullandschaft und diskutierten die aktuelle deutsche Hochschulpolitik. Nach seinem Abschied von der Politik war Maier von 1988 bis 1999 ordentlicher Professor für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie an der Universität München (Guardini Lehrstuhl).

In der Elberfelder CityKirche referierte Prof. Maier (76) abends seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der '68er Bewegung und analysierte die Frage "Was bleibt von '68?" 1968 war Hans Maier – 1962 berufen – immer noch jüngster Professor der Ludwigs Maximilian Universität München und nicht nur als Politikwissenschaftler und Vorsitzender der Senatskommission für das Auslands- und Ausländerstudium im Zentrum des Geschehens, sondern auch als bayerischer Vertreter im Deutschen Bildungsrat. In Vorlesungen und bei "Teach-Ins" setzte er sich aktiv mit den Wortführern der Studentenbewegung auseinander. Weil ihm aber der "elitäre Hochmut der Studentenführer" sowie ihre "antisemitischen Ausfälle" nicht gefielen, beschloss er, eine Gegenbewegung zu gründen: "Diesen Leute überlasse ich nicht die Uni", so Prof. Maier 1968 in einem ZEIT-Interview.

Darüber hinaus sah und sieht der Politikwissenschaftler keine eigentlichen Fortschritte durch '68, sondern eher einen "Rückfall in romantisierende Vorstellungen" und, mit Blick auf die eingeforderten Reformen des Universitätssystems, in "vor-institutionelle Modelle (Ständemodell)". Für Prof. Maier war '68 auch keine "linke" Bewegung, sondern eher eine anarchische ohne große Originalität.

Prof. Maiers Fazit: "Ein Jahrhundertereignis war 1968 nicht. Die unmittelbaren Wirkungen waren gering – auch deshalb, weil die Wortführer des Protests einen dem Volk gänzlich unverständlichen Jargon sprachen. Immerhin, sie haben uns veranlasst, Verfassungsstaat und Demokratie mit mehr Fantasie, mit intelligenteren Methoden zu verteidigen als nur mit dem Traditionsargument, 'wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht'"…

Der Wuppertaler Emeritus Prof. Dr.h.c. Bazon Brock setzt die Ringvorlesung am 9. Juni fort: "68 – der Kampf der Künstler gegen die Identitätspolitik der Kulturemphatiker zur Zivilisierung der Kulturen".

www.hhmaier.de
www.1968.uni-wuppertal.de
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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2008/0528_1968.html