1,5 Millionen Euro für Wuppertaler Astroteilchenphysiker

10.06.2008

1,5 Millionen Euro für Wuppertaler Astroteilchenphysiker

Prof. Dr.Karl-Heinz Kampert. Prof. Dr.
Karl-Heinz Kampert.

Die Wuppertaler Teilchenphysiker Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert und Prof. Dr. Klaus Helbing haben soeben 1,5 Millionen Euro Bundesmittel für ihre Arbeiten an den weltweit größten Experimenten Auger in Argentinien und IceCube am Südpol einwerben können.

Das Pierre Auger Experiment im argentinischen Hochland untersucht die höchstenergetischen Teilchen des Universums. Der Abschluss der Aufbauarbeiten, an denen die Wuppertaler Wissenschaftler federführend beteiligt waren, steht unmittelbar bevor. Bereits im vergangenen November konnte die internationale Wissenschaftlergruppe erste spektakuläre Ergebnisse vorlegen, in denen ein Zusammenhang der höchstenergetischen Teilchen mit massereichen schwarzen Löchern benachbarter Galaxien aufgezeigt werden konnte. Die im renommierten Science Magazin veröffentlichten Ergebnisse waren nach der Gen- und Stammzellenforschung prompt zum größten wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2007 gekürt worden.

Mit den soeben bewilligten Fördermitteln aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) können die erfolgreichen Arbeiten für die nächsten drei Jahre fortgesetzt werden. Neben der Auswertung der Daten, an denen mehrere Wuppertaler Doktoranden beteiligt sind, sollen auch neue innovative Nachweismethoden für kosmische Teilchen entwickelt werden. Um die Radiobeobachtung von Teilchenschauern zu erproben, plant die Wuppertaler Gruppe mit niederländischen und deutschen Partnern den Aufbau eines 20 Quadratkilometer großen Antennenfeldes. Neuartige elektronische Spiegelteleskope werden zusätzlich die optischen Beobachtungsmethoden des Auger Experiments in Argentinien erweitern.

IceCube ist ein Teleskop der besonderen Art: Statt wie üblich mit Licht, wird mit IceCube das Weltall mit Neutrinos beobachtet. Die Wissenschaftler hoffen, neue Erkenntnisse über besonders energiereiche kosmische Objekte zu gewinnen. Aber auch fundamentale Fragestellungen des Mikrokosmos, wie Elementarteilchen als Überreste des Urknalls, stehen im Blickpunkt. Die Wuppertaler Gruppe trägt maßgeblich zum Aufbau dieses kubikkilometergroßen Instruments im antarktischen Eis bei. Seit Jahren reisen Wuppertaler Physiker regelmäßig zur amerikanischen Amundsen-Scott Südpolstation und leisten vor Ort Entwicklungs- und Aufbaubeiträge. Ein Teil des soeben bewilligten Geldes dient der Entwicklung akustischer Nachweismethoden für hochenergetische Neutrinos. Diese ebenfalls neuartige Technik soll den Messbereich des IceCube Experiments entscheidend erweitern. Prof. Dr. Klaus Helbing: „Sollte uns der Nachweis teilcheninduzierter Schallwellen im Eis gelingen, könnten künftig noch weitaus größere und empfindlichere Experimente zu geringeren Kosten aufgebaut werden, die noch tiefere Einblicke ins Universum gestatten.“

Die Begutachtung der von verschiedenen Universitäten eingereichten Forschungsanträge erfolgte durch ein internationales Gutachtergremium. Mit der Bewilligungssumme von 1,5 Millionen Euro nimmt die Bergische Universität den Spitzenplatz unter den deutschen Universitäten ein. Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert: „Unsere Arbeitsgruppe sieht dies als Würdigung ihrer bisherigen Arbeit und als Vertrauen des Bundesministeriums für die Durchführung innovativer Forschung in Wuppertal!“

Kontakt:
Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert
Telefon 0202/439-2856, -2640
E-Mail kampert@uni-wuppertal.de
Prof. Dr. Klaus Helbing
Telefon 0202/439-2829
E-Mail helbing@uni-wuppertal.de

http://astro.uni-wuppertal.de/


http://icecube.wisc.edu/
www.auger.org

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2008/0610_teilchenphysik.html