Wuppertaler Mathematiker Prof. Faltings machte weltweit Schlagzeilen

17.06.2008

Vor 25 Jahren: Beweis der Mordellschen Vermutung

Wuppertaler Mathematiker Prof. Faltings machte weltweit Schlagzeilen

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Gert-Martin Greuel, Mathematisches Forschungsinstitut Oberwolfach.

Freitag, den 17. Juni 1983, fand eine Mathematische Arbeitstagung an der Uni Bonn statt. In einem großen Hörsaal stand ein junger Mann an der Tafel, dem man weder seine 28 Jahre noch den Professor der Bergischen Universität Wuppertal ansah. Dr. Gerd Faltings sprach über seinen Beweis der Mordellschen Vermutung, ein seit 1922 ungelöstes Problem der Mathematik. Das Medienecho auf Faltings Vortrag war sensationell: Sein Beweis der Mordellschen Vermutung machte weltweit Schlagzeilen, der junge Professor aus Wuppertal wurde zum Mathe-Star und gewann 1986 die Fields-Medaille, den Nobelpreis der Mathematik.

Als "mathematische Entdeckung von höchster Bedeutung" feierte Le Monde in Paris die „Sensation“ (Die Welt), und der SPIEGEL notierte, die Durchwahlnummer von Professor Faltings an der Wuppertaler Uni werde so häufig angewählt, als handele es sich um einen Geheimtipp für Telefonsex.

Gerd Faltings, 1954 in Gelsenkirchen geboren, Vater Physiker, Mutter Chemikerin, hatte Interesse an Mathematik seit seinem 10. Lebensjahr, auf dem Gymnasium wusste er bald mehr als sein Mathe-Lehrer, gewann zweimal den Bundeswettbewerb Mathematik. Er studierte Mathematik und Physik in Münster, Diplom- und Doktorarbeit verfasste er innerhalb von fünf Monaten. Mit einem Stipendium ging er für ein Jahr nach Harvard und wurde nach seiner Habilitation 1982 Professor in Wuppertal, mit 27 Jahren jüngster Mathe-Prof der Republik. Er musste sogar noch ein paar Monate warten, denn beamteter Professor kann man erst mit 28 werden.

1985 folgte er dann einem der vielen Rufe (Harvard, Berkeley, Princeton) und wechselte nach Princeton, Zentrum mathematischer Forschung in den USA, behielt jedoch seine Wuppertaler Professur noch vorübergehend nebenher. BILD schrieb: "Gute Nacht, deutsche Unis. Amis holen unser Mathe-Genie". 1995 kam Faltings zurück und wurde Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. 1996 erhielt er den hochdotierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Gäbe es einen Nobelpreis für Mathematiker, er hätte ihn bekommen – höchste Auszeichnung für Mathematiker ist die Fields-Medaille, die 1936 zum ersten Mal vergeben wurde. Faltings ist bis heute der einzige deutsche Preisträger.

Die von Faltings bewiesene Vermutung geht auf den englischen Zahlentheoretiker Louis Joel Mordell zurück und war sechs Jahrzehnte lang eine intellektuelle Herausforderung ersten Ranges, an der sich zahllose Mathematiker die Zähne ausgebissen hatten. Faltings Lösung zur "Mordellschen Aufgabenstellung" kam 61 Jahre später. Mordells Vermutung besagte, dass eine algebraische Kurve, deren "Geschlecht" größer sei als 1, nur endlich viele rationale Punkte habe - also nicht unendlich viele. Ein rationaler Punkt ist ein Punkt, dessen Koordinaten entweder ganze Zahlen oder Brüche aus ganzen Zahlen sind. Einfache algebraische Kurven sind Schulstoff; sie werden durch eine Polynom-Gleichung beschrieben: Einfache Beispiele sind die Gleichung x=y, die (im kartesischen Koordinatensystem) eine Gerade beschreibt, und x^2 + y^2 = 1, deren Punkte auf einer Kreislinie liegen. Diese Beispiele haben jedoch einen Haken: Kreis und Gerade können sehr wohl unendlich viele rationale Punkte haben. Deshalb auch die Sache mit dem Geschlecht. Indem Mordell eine algebraische Kurve mit Geschlecht größer 1 postulierte, klammerte er einfache Kurven - wie Kreis und Gerade - aus seiner Vermutung aus. Das Geschlecht ist damit ein wichtiger Gradmesser für die Komplexität algebraischer Kurven.

Prof. Dr. Gerd Faltings ist mit einer Mathematikerin verheiratet, Vater zweier Töchter und Hobbygärtner

Homepage von Prof. Dr. Faltings
http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Faltings
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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2008/0617_faltings.html