Wuppertaler Physiker erwarten erste Daten

10.09.2008

Größter Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb

Wuppertaler Physiker erwarten erste Daten

Die Teilchenphysiker Prof. Dr. Christian Zeitnitz (l.)und Prof. Dr. Peter Mättig. Die Teilchenphysiker Prof. Dr. Christian Zeitnitz (l.)
und Prof. Dr. Peter Mättig.
Fotos Maren Wagner

Heute (10.09.2008) ist am Europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN in Genf der Large Hadron Collider (LHC) – der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt – in Betrieb genommen worden. Die Wuppertaler Teilchenphysiker um Prof. Dr. Peter Mättig und Prof. Dr. Christian Zeitnitz haben einen zentralen Teil des ATLAS Experiments gebaut und verfolgten in Wuppertal diesen Versuch am LHC.

Der Teilchenbeschleuniger mit einem Umfang von ca. 27 km verläuft 100 Meter unter der Erde im Grenzgebiet Frankreichs und der Schweiz. Wissenschaftler erhoffen sich durch den LHC Antworten auf die fundamentalen Fragen der Physik: Woraus besteht das Universum? Was passierte beim Urknall? Um das herauszufinden, wird im LHC der Zustand des Universums simuliert, wie er in einem Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall herrschte – also vor 14 Milliarden Jahren. Dazu werden Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zum Zusammenstoß gebracht.

Nach sechsjähriger Bauphase wurde heute zum ersten Mal ein Protonenstrahl an dem weltweit größten wissenschaftlichen Projekt zum Umlauf gebracht. „Mit diesem Erfolg wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Wir hoffen, bald mit unseren Messungen beginnen zu können“, so Prof. Mättig heute nach Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers. Die Wuppertaler Forschergruppe bereitet sich seit 10 Jahren auf die Messungen vor. Prof. Dr. Michael Scheffel, neuer Prorektor für Forschung, Drittmittel und Graduiertenförderung: „Die Bergische Universität ist sehr stolz darauf, dass ihre Teilchenphysiker an diesem wichtigen Experiment beteiligt sind.“

Prof. Dr. Christian Zeitnitz mitProrektor Prof. Dr. Michael Scheffel. Prof. Dr. Christian Zeitnitz mit
Prorektor Prof. Dr. Michael Scheffel.

In vier hausgroßen Nachweisgeräten, so genannten Detektoren, vermessen Physiker die Spuren der Teilchenkollisionen. Das größte dieser Geräte ist das ATLAS Experiment, an dem die Wuppertaler Physiker beteiligt sind. Die Wuppertaler Wissenschaftler haben entscheidende Beiträge zum Bau des Pixeldetektors für ATLAS geleistet, einer Digitalkamera mit einer Fläche von 2,5 m2, die 40 Millionen Mal pro Sekunde Aufnahmen macht.

ATLAS wird in Zusammenarbeit von 2000 Physikern aus fünf Kontinenten betrieben. An ATLAS werden jährlich Datenmengen produziert, mit denen ca. 100.000 Festplatten normaler PCs vollgeschrieben werden könnten. Um diese Daten speichern, lesen und verarbeiten zu können, wurde in den letzten Jahren ein weltweiter Rechenverbund (das „Computing Grid“) entwickelt. In Deutschland waren die Physiker der Bergischen Universität bei der Entwicklung des Grid Computings maßgeblich beteiligt und betreiben dafür einen großen Rechen- und Datencluster. Ihr Ziel ist, das schwerste aller elementaren Teilchen, das ‚Top Quark’, zu untersuchen.

Die Wuppertaler Gruppe wurde für ihre LHC Arbeiten bislang mit ca.10 Millionen Euro Drittmitteln gefördert, vor allem aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Zurzeit arbeiten 40 Wuppertaler Physiker an dem Experiment mit dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt. Es wurden bisher über 30 Diplom- und Doktorarbeiten an der Bergischen Universität zum LHC geschrieben.

Prof. Mättig: „Für unsere Universität ist der LHC ein einmaliges Umfeld, um Technologie an den Grenzen des Machbaren zu entwickeln und an vorderster Front Forschung zu betreiben. Für unsere Studenten bietet das Umfeld des LHC – mit seiner weltweiten Zusammenarbeit und Spitzenforschung - die Möglichkeit, interessante und wichtige Erfahrungen zu sammeln.“

 

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Mättig,
Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften
Telefon 0202/439-2761, Fax -2811
E-mail: peter.mattig@cern.ch

www.atlas.uni-wuppertal.de/atlas
http://lhc-first-beam.web.cern.ch
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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2008/0910_lhc.html