Wuppertaler Physiker an internationalem Großprojekt beteiligt

20.11.2008

Weltweit größtes Observatorium in Argentinien feierlich eröffnet

Wuppertaler Physiker an internationalem Großprojekt beteiligt

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Das Pierre Auger Observatorium in Argentinien ist feierlich eröffnet worden. Wissenschaftler der Bergischen Universität waren maßgeblich an dem acht Jahre dauernden Aufbau des weltweit größten Detektors zum Nachweis der höchstenergetischen Teilchen des Universums beteiligt. Projektleiter an der Bergischen Universität und einer der Initiatoren des Observatoriums ist der Experimentalphysiker Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert.

Das Pierre Auger Observatorium dient der Erforschung der höchstenergetischen Teilchen des Universums. Die Energien dieser Teilchen sind mehr als 10 Millionen mal höher, als die des Large Hadron Colliders (LHC) am europäischen Forschungszentrum CERN. Bislang gab es keine Einigkeit darüber, woher diese Teilchen stammen und wie sie auf derart hohe Energien beschleunigt werden können. Zur Beantwortung dieser Frage haben die beteiligten Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure eine 3000 Quadratkilometer große Fläche mit einem Netzwerk von 1600 Teilchendetektoren instrumentiert und am Rande des Detektorfeldes 24 großflächige Spiegelteleskope errichtet. Diese Spiegelteleskope weisen nachts die Leuchtspuren der kosmischen Teilchen in der Atmosphäre nach.

Die Pierre Auger Forschergruppe konnte bereits vor der Fertigstellung des Observatoriums im vergangenen Jahr erste wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlichen. Sie zeigten unter anderem, dass die höchstenergetischen Teilchen nicht gleichmäßig aus allen Himmelsrichtungen zu uns gelangen, sondern stattdessen eine Richtungskorrelation zu nahen benachbarten Galaxien aufweisen, in denen sich außerordentlich massereiche schwarze Löcher befinden. (mehr) Dieses Ergebnis, das ein neues Fenster zum Universum eröffnet hat, bewerteten internationale Wissenschaftsjournalisten nach der Gen- und Stammzellenforschung als drittwichtigsten wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2007.

Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert bilanziert: „Trotz dieses großartigen Erfolges stehen wir erst am Anfang der wissenschaftlichen Ernte. In den Daten deuten sich bereits jetzt weitere spektakuläre Ergebnisse an, die unser Verständnis über den Aufbau des Universums maßgeblich erweitern werden.“ Neben wichtigen Beiträgen zur Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse arbeitet das Wuppertaler Forscherteam bereits an der Entwicklung neuer Technologien, die in zukünftige Projekte einfließen. Gefördert werden die Arbeiten insbesondere vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Eines der 24 großflächigen Spiegelteleskope zum Nachweis der Teilchenspuren im Nachthimmel. Links das Eintrittsfenster, Durchmesser 2,2 Meter, in der Mitte die Kamera, die u.a. die Wuppertaler Astrophysiker entwickelt und gebaut haben, rechts der segmentierte, 12 Quadratmeter große Spiegel.
Eines der 24 großflächigen Spiegelteleskope zum Nachweis der Teilchenspuren im Nachthimmel. Links das Eintrittsfenster, Durchmesser 2,2 Meter, in der Mitte die Kamera, die u.a. die Wuppertaler Astrophysiker entwickelt und gebaut haben, rechts der segmentierte, 12 Quadratmeter große Spiegel.

Die Fertigstellung des Pierre Auger Observatoriums wurde im Beisein vieler hochrangiger Gäste aus Wissenschaft und Politik gefeiert, unter ihnen der argentinische Vizepräsident Julio Cobos und der deutsche Staatssekretär Prof. Dr. Frieder Meyer- Krahmer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Vizepräsident Cobos, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat, zeigte sich dankbar und stolz, dass sein Land Gastgeber eines derart renommierten Projektes sein darf. Staatssekretär Meyer-Krahmer gratulierte den beteiligten Wissenschaftlern zu ihrem großartigen Erfolg und hob den großen intellektuellen, aber auch finanziellen Beitrag der deutschen Partner in Höhe von zehn Millionen Euro hervor. Meyer-Krahmer nutze die Gelegenheit des Besuchs auch zur Unterzeichnung eines langfristigen deutschargentinischen wissenschaftlichen Kooperationsvertrags, der dem Projekt und den beteiligten deutschen Universitäten Karlsruhe, Aachen, Siegen und Wuppertal zugute kommt.

Die Pierre Auger Forschergruppe umfasst mehr als 400 Wissenschaftler und Ingenieure von 70 Institutionen aus 17 Ländern.

www.auger.org

 

Kontakt:
Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert
Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften
Telefon 0202/439-2856, -2640
E-Mail kampert@uni-wuppertal.de

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2008/1120_auger.html