3. Wuppertaler Bildungsdialog

04.12.2008

Männer im Grundschullehramt

3. Wuppertaler Bildungsdialog

An der Bergischen Universität fand der 3. Wuppertaler Bildungsdialog statt. Thema in diesem Jahr: "Männer im Grundschullehramt". Politik und Lehrerverbände rufen immer wieder dazu auf, dem Männermangel unter Grundschullehrern zu begegnen. Der vom Zentrum für Bildungsforschung und Lehrerbildung zusammen mit dem Gleichstellungsbüro der Bergischen Universität veranstaltete Bildungsdialog ging der Frage nach, wie dies geschehen soll. Braucht man in der Grundschule überhaupt Männer als Lehrer? Was sagt die Wissenschaft dazu, welche Befunde gibt es, wie kann die Gesellschaft und wie können Grundschulen mit dem Problem umgehen?

Diskutierten über Männer im Grundschullehramt: (v.l.n.r.) Akad. Dir. Walter Thomann (Zentrum für Bildungsforschung und Lehrerbildung), Konrad Krebber (Kath. Universität Eichstätt), Moderator und Bildungsjournalist Armin Himmelrath, Prof. Dr. Maria Anna Kreienbaum und Prof. Dr. Michael Meuser. Diskutierten über Männer im Grundschullehramt: (v.l.n.r.) Akad. Dir. Walter Thomann (Zentrum für Bildungsforschung und Lehrerbildung), Konrad Krebber (Kath. Universität Eichstätt), Moderator und Bildungsjournalist Armin Himmelrath, Prof. Dr. Maria Anna Kreienbaum und Prof. Dr. Michael Meuser.Foto Andreas Wetzel.

Dr. Christel Hornstein, Gleichstellungsbeauftragte der Bergischen Universität, wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass fast 90 Prozent der Lehrkräfte an Grundschulen in NRW weiblich sind – mit Ausnahme der Schulleiter. An der Bergischen Uni sind zurzeit zehn Prozent der Studenten mit Berufsziel Grundschullehramt männlich.

Soziologe Prof. Dr. Michael Meuser von der Universität Dortmund ging in seinem Vortrag der Frage nach, warum der Beruf des Grundschullehrers für Männer wenig attraktiv ist. Eine der von ihm vorgestellten Hauptthesen: Der Beruf biete weniger eine fachliche als eine pädagogische Professionalisierung, die Männer nicht anspricht, da sie sich im Beruf gerne „kompetitiv inszenieren“.

Die Wuppertaler Pädagogin Prof. Dr. Maria Anna Kreienbaum vertrat die Auffassung, dass die „Männer-Debatte“ nur ein Stellvertreter-Problem sei. In der Grundschule und bei der Rekrutierung von zukünftigen Lehrpersonen seien andere Probleme – unabhängig vom Geschlecht der Lehrpersonen – wichtiger. Für die Entwicklung der Grundschule sei es problematischer, dass ein vergleichsweise hoher Anteil der angehenden Lehrpersonen nur wenig belastbar sei, so die Professorin.

Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg, fragte in ihrem Vortrag „Brauchen wir Männer im Grundschullehramt?“. Ein häufig vorgebrachtes Argument für mehr Männer als Grundschullehrer ist die Annahme, dass insbesondere Jungen durch die zunehmende „Verweiblichung“ der Lehrberufe benachteiligt werden. Prof. Faulstich-Wieland: „Betrachtet man die vorliegenden Befunde, dann kann man diese Annahme empirisch nicht bestätigen. Jungen, die von Frauen unterrichtet werden, unterscheiden sich in ihren Leistungen nicht von Jungen, die von Männern unterrichtet werden.“ Dennoch könne man aus sozialisationstheoretischer Perspektive dafür plädieren, dass mehr Männer in der Grundschule unterrichten sollen. Die Frage des Geschlechts sei aber nur eine unter vielen, so Prof. Faulstich: "Insgesamt ist eine Erhöhung der Diversität von Lehrpersonen anzustreben – auch unter der Fragestellung von kulturellem Hintergrund und Alter."

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