Janusz Korczak: 16-bändiges Editionsprojekt nach 12 Jahren abgeschlossen

14.08.2008

Was Kindern zusteht

Janusz Korczak: 16-bändiges Editionsprojekt nach 12 Jahren abgeschlossen

16-bändige Korczak-Edition abgeschlossen: Prof. Dr. Friedhelm Beiner. 16-bändige Korczak-Edition abgeschlossen: Prof. Dr. Friedhelm Beiner.

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Friedhelm Beiner hat das Editionsprojekt „Janusz Korczak – Sämtliche Werke“ abgeschlossen. Ein soeben erschienener 16. Band „Was Kindern zusteht“ fasst Korczaks „Pädagogik der Achtung“ zusammen. Damit ist die literarisch-wissenschaftliche Hinterlassenschaft Janusz Korczaks, der 1972 posthum mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wurde, als Gesamtausgabe im Gütersloher Verlagshaus verfügbar. Herausgeber Prof. Beiner (69) war 29 Jahre lang an der Bergischen Universität in der Lehrerbildung tätig. Mitherausgeber der Edition war der verstorbene Giessener Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Erich Dauzenroth (1931-2004).

Henryk Goldszmit – alias Janusz Korczak – geboren in Warschau 1878, ermordet mit seinen Kindern in Treblinka 1942, war Arzt, Schriftsteller und Erzieher. In 24 Büchern und über 1000 Artikeln in Zeitschriften und Zeitungen trat er als Ankläger der Gesellschaft und Verteidiger des Kindes auf. Aus jüdisch-bürgerlichem Hause stammend, aber früh vertraut mit dem „Warschauer Elend“, verschrieb er sich den Kindern. In zwei Warschauer Waisenhäusern wurden seine Ideen zum gelebten Erziehungsprogramm, das auf „Achtung“ gründete. Sein Credo: „Kinder werden nicht erst zu Menschen, sie sind schon welche.“

In den „Sämtlichen Werken“ wird Korczaks Lebenswerk unter zehn Aspekten gebündelt: Bildungsromane (Bd. 1), Satiren (Bd. 2), Erzählungen aus der Kinderperspektive (Bd. 3), Pädagogische Ganzschriften (Bd. 4), Reflexionen und Betrachtungen (Bd. 5 und 6), Sozialkritische Publizistik (Bd. 7), Sozialmedizinische Schriften (Bd. 8), Pädagogische Essays (Bd. 9), Kinderliteratur (Bd. 10 bis 14) sowie Briefe, Nachlass und Dokumente (Bd. 15). Im letzten Band wird der zu Korczaks Lebzeiten unveröffentlichte Nachlass dokumentiert: Briefe an ehemalige Zöglinge in Palästina, Korrespondenzen aus den Schreckensjahren im Warschauer Ghetto sowie sein Vermächtnis, aufgezeichnet in seinen letzten Tagen, bevor er am 5. (oder 6.) August 1942 mit seinen etwa 200 Kindern ins Vernichtungslager Treblinka „deportiert“ wurde.

Korczak wollte Kindern helfen, sich aus ihren gesellschaftlichen und schein-pädagogischen Zwängen einer „unterdrückten Klasse“ zu emanzipieren. Deshalb wechselte er von der Medizin zur Pädagogik. Ab 1912 bzw. 1919 setzte er in zwei Warschauer Waisenhäusern sein Modell einer strukturell demokratischen Erziehung in die Praxis um. Historisch einmalig waren dabei Proklamation und demokratische Umsetzung von Menschenrechten für Kinder. Sein „Katalog der Grundrechte für Kinder“ umfasste „Das Recht des Kindes auf den Tod“, „Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag“ und „Das Recht des Kindes, das zu sein, was es ist“. Diese und zahlreiche Unter-Rechte münden im Recht des Kindes auf Achtung.

Mit dem Recht auf Achtung verknüpfte Korczak demokratische Prinzipien der Erziehung. Neben den Grundrechten gestand er den Kindern ein Recht auf Partizipation und faire Konfliktbearbeitung zu. Die bis dato vorherrschende „Strukturelle Gewalt“ in der Erziehung müsse durch strukturelle Partnerschaft, d.h. durch demokratische Organisations- und Umgangsformen ersetzt werden. Für Korczak war es „das erste und unbestreitbare Recht des Kindes, seine Gedanken auszusprechen und aktiven Anteil an unseren Überlegungen und Urteilen in Bezug auf seine Person zu nehmen.“

Aus dieser Erkenntnis ergaben sich für die Erzieher der Warschauer Waisenhäuser gravierende Konsequenzen, die in vielen Veröffentlichungen beschrieben und in „Was Kindern zusteht“ ausgewertet wurden. Prof. Beiner will in seiner Analyse des Korczak’schen Gesamtwerks zeigen, daß dieser mit einem breiten Spektrum von Methoden der Erziehung und der Erkenntnissuche arbeitete. Prof. Beiner: „Die Herausarbeitung der Methoden war so wichtig, weil bei Korczak wie bei kaum einem anderen Klassiker der Pädagogik Theorie und Praxis unmittelbar miteinander verzahnt waren, so dass er und sein Werk heute ein herausragendes Lernmodell für Lehrer und Erzieher darstellen.“ (Friedhelm Beiner: Was Kindern zusteht – Janusz Korczaks Pädagogik der Achtung; 1. Auflage 2008, 160 S., 16,95 Euro.)

Kontakt:
Prof. Dr. Friedhelm Beiner
Telefon 0202/42 13 41
E-Mail e.beiner@web.de

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