Neue Burse an der Max-Horkheimer-Straße Deutschlands EnergiesparmeisterNach Umbau zu Niedrigenergiegebäuden sank der Verbrauch auf 45 Prozent!

16.02.2009

Studentenwohnheime sind Spitze

Neue Burse an der Max-Horkheimer-Straße Deutschlands Energiesparmeister
Nach Umbau zu Niedrigenergiegebäuden sank der Verbrauch auf 45 Prozent!

Deutschlands energiesparendste Studentenwohnheime stehen in Wuppertal. Das belegen drei Jahre intensiver Messungen durch eine Forschergruppe unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Karsten Voss vom Fach "Bauphysik und technische Gebäudeausrüstung" der Bergischen Universität. Jetzt stellen Prof. Voss und seine Kollegen ihren Bericht auch öffentlich vor: Ab Donnerstag ist dazu bis Ende März eine Posterausstellung in der Sparda-Bank West zu sehen.

In Studentenwohnheimen wird in der Regel viel Energie verbraucht. Bei herkömmlichen Häusern (sog. „Bestandsgebäuden“) sind das schnell 500 Liter Öl pro Wohnheimplatz für Heizung und Warmwasser sowie 1.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr! Diese Energiekosten können bis zu 40 Prozent der Miete ausmachen. Verglichen mit üblichen Wohngebäuden liegen die Werte in Wohnheimen auch deshalb so hoch, weil die jungen Menschen auf engstem Raum wohnen und arbeiten. Mehr als Grund genug, in Zeiten hoher Energiekosten und vorhergesagtem Klimawandel nach Alternativen zu suchen.

Das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal hatte diese Herausforderung frühzeitig angenommen und in den Jahren 2000 bis 2003 seine längst „in die Jahre gekommenen“, aus den 70ern stammenden großen Wohnheime „Burse“ (600 Plätze) an der unteren Max- Horkheimer-Straße am Rande des Campus Grifflenberg in zwei Bauabschnitten grundlegend modernisiert. Der Wohnwert sollte technisch und gestalterisch auf Neubaustandard gehoben werden, der Anforderungen des zukünftigen Nutzungszyklus entspricht. Architektur und Energiekonzept wurden vom Architektur Contor Müller Schlüter aus Wuppertal durch die Architekten Michael Müller und Prof. Christian Schlüter geliefert, die Gebäude bereits mit vier Architekturpreisen ausgezeichnet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie stellte über sein Förderprogramm „Energieoptimiertes Bauen“ die finanziellen Mittel für eine dreijährige fachwissenschaftliche Beobachtung zur Verfügung, bei der Funktion und Energieverbrauch auf den Prüfstand kamen.

...nicht nur technisch, auch ästhetisch gewonnen. ...nicht nur technisch, auch ästhetisch gewonnen.

Der über 100 Seiten umfassende Schlussbericht der Forscher um Prof. Voss belegt mit eindrucksvollen Fakten, was heute möglich ist: Der Wärmeverbrauch für die Heizung sank um 75 Prozent! Vor allem beim 2. Bauabschnitt, bei dem die Gebäude mit einer Hülle nach dem Passivhausstandard versehen wurden, beträgt der Heizwärmeverbrauch heute nur noch 100 Liter Öl pro Wohneinheit oder rund 3 Liter pro m². Der Gesamtenergieverbrauch einschließlich Strom beträgt heute pro Wohneinheit nur noch 45 Prozent gegenüber dem Stand vor der Sanierung.

Bei so niedrigen Verbrauchswerten fiel auf, dass die Wärmeerzeugung für Duschen und Warmwasser zur Hauptaufgabe der zentralen Wärmeversorgung wurde. „Wir benötigen künftig Warmwasseranlagen, die auch Heizen können und nicht Heizungsanlagen, die auch das Duschwasser erwärmen“, lautet die Schlussfolgerung von Dipl.-Ing. Peter Engelmann, der die Forschungen federführendbetreute. Eine hohe Deckung mit regenerativen Energien bei der Warmwasserbereitung sei dazu insbesondere bei großen Wohnbauteneine Schlüsseltechnologie.

Auch im Bereich der Lüftung wurden wichtige Erfahrungen gesammelt. So habe sich der Vorteil einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung bei den kompakten Wohneinheiten vor allem in der ausgezeichneten Luftqualität gezeigt. Verbesserungspotentiale gebe es noch bei der Energieeffizienz und Detailplanung solcher Anlagen.

„Das Pilotprojekt hat uns bestärkt, auch Maßnahmen an unseren anderen Wohnheimen durchzuführen und dabei gemeinsam mit unseren Projektpartnern die Erfahrungen von der Neuen Burse zu nutzen“, resümiert HSW-Geschäftsführer Fritz Berger. So wurden 2008 auch die Studentenwohnheime an der oberen Max-Horkheimer-Straße (167/169) nach umfassender Sanierung in Niedrigenergiehäuser umgewandelt.

Das Fach Architektur der Bergischen Uni bietet in seinem Masterstudiengang das Vertiefungsprofil „Environmental Building Design“ an. Aktuelle Masterarbeiten beschäftigen sich dabei schwerpunktmäßig mit Büro- und Verwaltungsbauten. Auch hierzu werden Pilotprojekte in der Region unter die Lupe genommen, um Erfahrungen für eigene Entwürfe zu nutzen.

(Ausstellung ab 19. Februar in der Sparda Bank West, Bankstraße 3, Wuppertal-Elberfeld; geöffnet Montag, Dienstag und Donnerstag von 9-18 Uhr, Mittwoch u. Freitag 9-13 Uhr; bis 26. März 2009.)

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Karsten Voss
Fach Bauphysik/Techn. Gebäudeausrüstung
Telefon 0202/439-4094
E-Mail kvoss@uni-wuppertal.de

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2009/0216_studentenwohnheime.html