Ein Pionier des Farbfernsehens: Prof. Dr. Franz Josef In der Smitten 80

25.02.2009

Ein Pionier des Farbfernsehens: Prof. Dr. Franz Josef In der Smitten 80

0225_smitten_kl.jpg Fotos WDR.
Klick auf das Foto: Größere Version
(1920 x 2560 pix;
3,98 MB)

Der Farbfernseh-Pionier und Emeritus der Bergischen Universität, Prof. Dr. Franz Josef In der Smitten, hat sein 80. Lebensjahr vollendet. Am 25. August 1967 um 10:57 Uhr drückte Vize-Kanzler Willy Brandt auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 1967 in Berlin symbolisch auf eine rote Taste – und schon sah die Nation "bunt". Dieser Start war einem Team von WDR-Technikern zu verdanken, die ab 1963 in Köln-Ehrenfeld ein Farbfernsehversuchslabor eingerichtet hatten. Unter Federführung von Dr. In der Smitten, damals Leiter der WDR-Videotechnik, später Chefingenieur und stellvertretender Technischer Direktor des WDR, ab 1975 Professor für Nachrichtentechnik an der Bergischen Universität, hatte das Team maßgeblich dafür gesorgt, dass Farb-TV in Deutschland etabliert wurde.

In der Smittens Team konnte zwar auf die USA zurückgreifen, wo es schon seit 1954 Farbfernsehen gab, aber die qualitativen Anforderungen lagen in Europa weit über denen in den USA. Die europäischen Entwicklungen, die auch mit PAL-Erfinder Walter Bruch verbunden sind, waren so weit, dass europäische und US-Technik kaum noch kompatibel waren. Mit dem PAL-System wurden sozusagen die Fehler behoben, die man am US-System kritisierte.

Im WDR-Farblabor wurden über den Stichtag 25. August 1967 hinaus noch bis 1970 Versuche durchgeführt, um das Farbfernsehen zu optimieren. Weil Farbfernsehgeräte noch sehr teuer waren, konnten die Zuschauer erst nach und nach ihre Schwarzweißgeräte durch Farbfernsehgeräte ersetzen. Schwarzweiß- und Farbgeräte mussten deshalb noch lange parallel versorgt werden. Im Labor mussten Farben ermittelt werden, die sich in Schwarzweiß durch unterschiedliche Helligkeitswerte unterschieden. Daraus ergaben sich Vorgaben für Dekoration und Kleidung, die zum Teil bis heute gültig sind, zum Beispiel keine karierten Sakkos, hellblaue statt weiße Hemden, aber auch die Bedingungen bei Außenübertragungen mit unterschiedlichsten Lichtverhältnissen bei Sonne, Schatten oder Flutlicht.

Der Fußball gab der Akzeptanz des Farbfernsehens einen Schub: Zur Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland hatten 10 Prozent der Bundesbürger Farbfernsehgeräte. Ein Jahr später wechselte Dr. In der Smitten vom WDR als Professor an die Bergische Universität.

2007 produzierte der WDR anlässlich des 40. Jahrestages des Farb-TV-Starts eine Dokumentation in HDTV über In der Smittens Versuchslabor. Die wichtigsten Geräte des WDR-Farbfernsehversuchslabors hatte Prof. In der Smitten übernehmen können, als er nach Wuppertal berufen worden war. Wieder in volle Funktion (!) gesetzt und ergänzt um weitere Geräte aus WDR-Beständen dienen sie bis heute ihm und seinem Nachfolger Prof. Dr.-Ing. Uwe Kraus als Lehrobjekte für Studenten der Rundfunk- und Fernsehtechnik. Das Historische Farbfernsehlabor der Bergischen Universität ist in Räumen auf dem Campus Freudenberg untergebracht.

Auch an der Entwicklung des Videotextes war Prof. In der Smitten, von Hause aus Physiker, beteiligt, ebenso an der Entwicklung der digitalen Audiostudiotechnik und dem digitalen terrestrischen Fernsehen DVB-T. So wurden 1992 von Wuppertal aus die ersten digitalen terrestrischen Übertragungen getestet.

Prof. In der Smitten war acht Jahre lang Dekan des seinerzeitigen Fachbereichs Elektrotechnik, Vertrauensdozent der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vier Jahre lang (1987 – 1991) Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs unter dem damaligen Rektor Prof. Dr. Dr.h.c. Siegfried Maser. Er initiierte ferner die bis heute aktiven Kooperationen mit der Technischen Universität Kosice (Slowakei) und der Belarussischen Staatlichen Universität für Informatik und Radioelektronik in Minsk (Weißrussland).

Prof. In der Smitten, viele Jahre Vorsitzender der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft (FKTG), erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so das Bundesverdienstkreuz und als Pionier des Farbfernsehens die nach dem langjährigen Direktor des Instituts für Rundfunktechnik (München) benannte Richard-Theile-Medaille.

Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch gratulierte dem Jubilar im Namen der Bergischen Universität zu seinem runden Geburtstag.

Weitere Informationen zu Prof. In der Smitten und seinen Arbeiten für das Farbfernsehen finden Sie hier.

Hier gelangen Sie zum Historischen Fernsehlabor an der Bergischen Universität.

Das Farbfernsehversuchslabor des WDR finden Sie hier.

nächste

Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2009/0225_smitten.html