Studie beweist: Computergestützte Physiotherapie bringt Durchbruch

26.02.2009

"EKG des Rückens" liefert Heilerfolge bei Volkskrankheit Nr.1

Studie beweist: Computergestützte Physiotherapie bringt Durchbruch

Jeder Dritte ist wegen Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung, Tausende legen sich mit Bandscheibenschäden unters Messer. Dabei gibt es neue Therapieansätze, die Operationen überflüssig machen können: Computergestützte Physiotherapie, die von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Eine 12-monatige Langzeituntersuchung, die von Prof. Dr. Jürgen Freiwald vom Arbeitsbereich Bewegungswissenschaften der Bergischen Universität in Kooperation mit der Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und der Novotergum AG (Mülheim) durchgeführt wurde, hat nach Angaben von Prof. Freiwald erstaunliche Ergebnisse geliefert. Prof. Freiwald: "Nach dieser bisher größten deutschen Rückenstudie mit mehr als 1000 Patienten können 80 Prozent der chronischen Rückenpatienten jetzt auf Linderung hoffen, viele sogar auf vollständige Beschwerdefreiheit."

Prof. Dr. Jürgen Freiwald Prof. Dr. Jürgen Freiwald

Prof. Freiwald berichtet, warum die computergestützte Physiotherapie so erfolgreich sei: Ein standardisiertes Aufdecken der Bewegungseinschränkungen und muskulärer Defizite der Patienten, quasi ein „EKG des Rückens“, liefert Messdaten, mit denen maßgeschneidert ein individueller Trainingsplan entwickelt werden kann. Die Messdaten werden zusätzlich mit einer speziellen Software mit Referenzdaten beschwerdefreier Personen verglichen (Muskelkraft, Bewegungsausmaße, Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe). Regelmäßige Folgeanalysen dokumentieren die Fortschritte und ermöglichen die kontinuierliche Optimierung des Trainings. An High-Tech-Geräten wird vor allem die Wirbelsäulen stabilisierende Tiefenmuskulatur aktiviert. Alle Therapiemaßnahmen werden unter intensiver, individueller Betreuung durch Physiothe-rapeuten mit spezieller Zusatzqualifikation durchgeführt.

Im Zusammenspiel haben die verschiedenen, individuell eingesetzten Maßnahmen nach Angaben von Prof. Freiwald eine überragende Wirkung: Halbierung der Schmerzintensität, Reduzierung der täglichen Medikamenteneinnahme um 59 Prozent, Verdopplung der Anzahl der Patienten, die keine Schmerzmittel mehr benötigten. Prof. Freiwald: „Ein Umdenken in der Versorgung von chronischen Rückenschmerzpatienten ist dringend erforderlich, denn im europäischen Vergleich schneidet Deutschland am schlechtesten ab: Bei mehr als 75 Prozent der Betroffenen wird die Ursache der Erkrankung nicht erkannt!“

Die Fülle an therapeutischen Ansätzen, ob klassisch konservativ, minimal-invasiv oder offen operativ, könne den meisten Patienten bisher nicht helfen, erklärt Prof. Freiwald. Die Behandlung von chronischen Rückenschmerzen sei oft unangenehm – eine dauerhafte Verbesserung für den Patienten werde nicht erreicht, weil bei häufig unerkannter Ursache nur die Symptome behandelt würden. Experten schätzen laut Prof. Freiwald, dass bis zu 60 Prozent der Erkrankten einmal wöchentlich eine Spritze oder Tabletten bekommen. Die Betroffenen nähmen eine Schonhaltung ein und bewegten sich nicht mehr. Viele Patienten hätten dauerhaft Schmerzen, könnten ihre Alltagsarbeiten nicht mehr erledigen und verlören Beweglichkeit und Unabhängigkeit.

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Freiwald
Telefon 0202/439-2094, Fax -3125
E-Mail freiwald@uni-wuppertal.de

Sekretariat
Daniela Schulz
Telefon 0202/439-3226, -2733
E-Mail daschulz@uni-wuppertal.de

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