Prof. Winterhagers Gedankensplitter zu seinem Achtzigsten

20.04.2009

Prof. Winterhagers Gedankensplitter zu seinem Achtzigsten

Prof. Klaus Winterhager, im (nach wie vor unruhigen) Ruhestand lebender Wuppertaler Designer, schenkte sich und seinen Freunden zu seinem 80. Geburtstag eine Sammlung von Aphorismen, Wortspielen und Gedankensplittern aus eigener Feder. Während seiner langen Zeit als Professor für Grafik-Design lag Winterhagers Hauptaugenmerk auf der Typografie, speziell auf der grafischen Qualität von Zeichen, Bildzeichen, Logotypes, aber auch „Zeichen der Macht“ (Christenkreuz, Davidstern, Rotes Kreuz, Hakenkreuz). Viele seiner in nur wenigen Monaten aufgeschriebenen Gedankensplitter haben deshalb eine politische Note.

Ende der 80er Jahre schuf Prof. Winterhager das grafische Zeichen der Bergischen Universität, eine damals neue, signifikante Variante des „Bergischen Löwen“, des traditionellen Wappentiers. Er entwickelte ein Corporate Design für die Universität Wuppertal mit knapp gehaltenen Normen und großen Freiräumen. Rund um den Uni-Löwen ist es in seinen Grundzügen bis heute gültig geblieben. Die Essener Buch- und Offsetdruckerei Niessen fertigte in einer Auflage von einigen hundert Exemplaren ein Heftchen mit Prof. Winterhagers Sinnsprüchen, das man nicht kaufen, sondern sich nur schenken lassen kann. Hier sind Kostproben:

Vierblättriges Kleeblatt.
Kein Glück für den,
der nur bis drei zählen kann.

Hitler schrie
»auf Teufel komm' raus«. Er kam.

Leichtes
ist oft schwer zu ertragen.

Geht’s dem Henker gut?
Es hängt davon ab.

Der Ordensträger tötete.
Ausgezeichnet!

Wer in einer Diktatur aufsteht, sitzt.

Nicht weggucken beim Neonazi! Nach dem rechten sehen!

Bomberpiloten sehen auf den Tod von oben herab.

Kunst erklären ist das eine.
Zur Kunst erklären das andere.

Kitsch und Gewalt sind nahe Verwandte.

Johann Sebastian Bach schuf nicht die Welt.
Aber er komponierte, als wäre er bei der Schöpfung
dabei gewesen.

Volt und Ampère trafen sich zu einer
Wattwanderung.

Der Zeiger zeigte die Zeit an.
Sie wurde zu 3.600 Sekunden
verurteilt. Die wurden ihr gestundet.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens
bleibt ohne Antwort. Das hat Sinn.

Häufig werden Menschen abfällig
mit Tieren verglichen. Umgekehrt nie.

Alle 80 Gedankensplitter von Prof. Klaus Winterhager – der gebürtige Lenneper lebt in Wuppertal-Elberfeld – finden Sie hier.

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2009/0420_winterhager.html