Philosophen und Physiker forschen gemeinsam

25.05.2009

Philosophen und Physiker forschen gemeinsam

Prof. Dr. Peter Mättig, Prof. Dr. Robert Harlander, Prof. Dr. Christian Zeitnitz (v.l.n.r.). Prof. Dr. Peter Mättig, Prof. Dr. Robert Harlander, Prof. Dr. Christian Zeitnitz (v.l.n.r.).

Wie versuchen Wissenschaftler, die Natur zu verstehen? Wie können sich Wissenschaftler ein Bild von der Natur in Bereichen machen, die nur ein zehntausendstel eines Atomkerns groß sind und die nur mit riesigen Apparaten nachgewiesen werden können? Das wollen Physiker, Wissenschaftshistoriker und Philosophen an der Bergischen Universität gemeinsam untersuchen. Soeben kam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Finanzierungszusage über eine halbe Million Euro.

Prof. Dr. Francesco Knechtli, Prof. Dr. Gregor Schiemann, Prof. Dr. Friedrich Steinle (v.l.n.r.). Prof. Dr. Francesco Knechtli, Prof. Dr. Gregor Schiemann, Prof. Dr. Friedrich Steinle (v.l.n.r.).

Prof. Dr. Erhard Scholz, Dr. Holger Lyre, Prof. Dr. Michael Stöltzner (v.l.n.r.). Prof. Dr. Erhard Scholz, Dr. Holger Lyre, Prof. Dr. Michael Stöltzner (v.l.n.r.).

Im Zentrum der Untersuchungen steht die „größte Forschungsmaschine der Welt“, der Large Hadron Collider (LHC) am Europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN in Genf, an dem die Wuppertaler Teilchenphysiker Prof. Dr. Robert Harlander, Prof. Dr. Peter Mättig, Prof. Dr. Christian Zeitnitz und Prof. Dr. Francesco Knechtli beteiligt sind. Vom LHC werden in den nächsten Jahren grundlegende neue Erkenntnisse über den Aufbau der Natur erwartet.

Diese möglichen neuen Erkenntnisse, die Komplexität der LHC-Experimente sowie das Wechselspiel zwischen Messergebnissen und ihrer Beschreibung innerhalb einer physikalischen Theorie bieten ein hochspannendes Umfeld für eine Zusammenarbeit von Philosophen und Physikern. Hier setzt das neue Wuppertaler DFG-Projekt an: Warum ziehen Physiker eine bestimmte Beschreibung der Natur möglichen Alternativen vor? Wie verändert sich der Vorrang angesichts neuer Daten? Wird die Erkenntnis durch die Auswahl von Daten verzerrt, die Offenheit für grundsätzlich neue Phänomene eingeschränkt? Wie sind die Ansprüche der Theorien einzuschätzen, die Wirklichkeit zu spiegeln? Mit solchen Fragen geht es im Wuppertaler DFG-Projekt ("Epistemologie des LHC") um die philosophische und erkenntnistheoretische Durchdringung der LHC-Forschung.

„Mit einer so engen Zusammenarbeit von Physik und Philosophie an einem Großforschungsprojekt wie dem LHC betreten wir in vieler Hinsicht Neuland. Für die Untersuchung, wie Erkenntnis tatsächlich gewonnen wird, eröffnen sich hier neuartige Perspektiven“, erklärt der Wuppertaler Wissenschaftshistoriker Prof. Dr. Friedrich Steinle, der gemeinsam mit dem Mathematikhistoriker Prof. Dr. Erhard Scholz und dem Wissenschaftsphilosophen Prof. Dr. Gregor Schiemann (beide Wuppertal), dem Physiker und Philosophen Prof. Dr. Michael Stöltzner (bis vor kurzem Wuppertal, jetzt University of South Carolina/USA)) und dem Philosophen Privatdozent Dr. Holger Lyre (Bonn/Bielefeld) den philosophischen Teil des Projekts vertritt.

„Wir erhoffen uns in den nächsten Jahren intensive Diskussionen zwischen Philosophie und Physik, die unsere Arbeit gegenseitig befruchten“, so der Initiator des Forschungsprojekt, Prof. Mättig. „Hier arbeiten zwei starke Bereiche der Bergischen Universität zusammen. Wir wünschen uns, dass dies nicht zuletzt auch zur Profilbildung unserer Universität beiträgt!“

www.cern.ch/lhc nächste

Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2009/maettig_steinle.html