Erste Datennahmen des ATLAS Detektors erfolgreich

02.08.2010

Erste Datennahmen des ATLAS Detektors erfolgreich

(Aktualisiert 09.08.2010) Unter maßgeblicher Beteiligung Wuppertaler Physiker haben Vertreter der deutschen Grid-Zentren erste Erfahrungen mit dem Computing für das ATLAS Experiment in Deutschland während der Datennahme am Large Hadron Collider (LHC) in Genf ausgewertet. Der Wuppertaler Teilchenphysiker Prof. Dr. Peter Mättig, Sprecher der deutschen ATLAS-Wissenschaftler: „Die deutschen Grid-Zentren haben wesentliche Beiträge zur Datenauswertung in ATLAS geleistet. Uns wurde – auch von ausländischen ATLAS-Kollegen – eine sehr hohe Zuverlässigkeit und Effektivität bescheinigt.“

Mit Beginn der LHC-Experimente am Europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN hat sich in den vergangenen Monaten die Nutzung der Ressourcen an den deutschen Grid- Zentren in Karlsruhe, Freiburg, Göttingen, München, Hamburg und Wuppertal vervielfacht. Die LHC-Experimente erzeugen pro Jahr etwa 8.000.000.000.000.000 Byte (15 Nullen = 8 Petabyte = 8 Millionen Gigabyte) Daten. Hinzu kommen jährlich weitere 4 Petabyte Simulationsdaten (Petabyte = 1 Billiarde Byte = 1.000 Terabyte).

Um diese Daten speichern, lesen und verarbeiten zu können, wurde in den letzten Jahren ein weltweiter Rechenverbund (das „Computing Grid“) mit regionalen Rechenzentren in mehreren Ländern entwickelt. Darin hat die Bergische Universität Wuppertal einen Stützpunkt, ein so genanntes „Tier 2 Zentrum“, unter Leitung von Dr. Torsten Harenberg aufgebaut.

Das Wuppertaler Grid-Rechenzentrum umfasst ca. 1000 Rechner mit insgesamt 750 Terabyte Speichervolumen – das entspricht dem 3.000-fachen eines normalen PCs. Bei den Untersuchungen der ersten LHC-Ereignisse hat das Wuppertaler Grid-Zentrum eine große Rolle gespielt. Prof. Mättig: „Hier wurden sowohl ein erheblicher Teil der benutzten Daten gespeichert, als auch spezielle Simulationsrechnungen durchgeführt.“ In den nächsten Monaten soll das Zentrum mit Mitteln der Helmholtz Allianz ‚Physik an der Teraskala’ weiter ausgebaut werden.

An den Grid-Zentren in Deutschland stehen rund 4.5 Petabyte Speichervolumen zur Verfügung. Weltweit sind rund 100.000 Rechner mit insgesamt 200 Petabyte Speichervolumen über Hochgeschwindigkeitsleitungen vernetzt und zu einem virtuellen Rechenzentrum verbunden.

Bei ihrem Treffen in Zeuthen bei Berlin haben die beteiligten Wissenschaftler Maßnahmen beschlossen, um u.a. den Transfer relevanter Daten an die deutschen Grid-Zentren zu beschleunigen und die Auslastung des vorhandenen Speicherplatzes zu optimieren. Insgesamt arbeiten rund 25 Wissenschaftler am Betrieb des ATLAS Grids in Deutschland.

In den letzten drei Wochen konnte durch höhere Intensitäten im LHC eine Verdreifachung der Datennahme erreicht werden. Allein am Sonntag (8.8.) wurde von ATLAS ca. 1/10 der gesamten bisherigen Luminosität (Maß für die Teilchenstrahldichte in einem Teilchenbeschleuniger) aufgenommen. Prof. Mättig: "Mit den neuen Daten eröffnet sich eine Vielzahl möglicher neuer Physikanalysen, auch wenn es noch ein längerer Weg ist, um in die Bereiche vorzudringen, in denen neue Entdeckungen erwartet werden."

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Mättig, 0202/439-2761, peter.maettig@physik.uni-wuppertal.de
Dr. Torsten Harenberg, 0202/439-3521, harenberg@physik.uni-wuppertal.de

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2010/0208_grid.html