Dritte Internationale Septuaginta-Konferenz in Wuppertal

02.08.2010

Dritte Internationale Septuaginta-Konferenz in Wuppertal

In der Überlieferungsgeschichte des Alten Testaments kommt der Sammlung griechischer Texte, die seit dem Altertum als „Septuaginta“ bezeichnet werden und die zum größten Teil Übersetzungen einer nicht mehr zur Verfügung stehenden hebräischen Vorlage sind, hohe Bedeutung zu. Zum dritten Mal nach 2006 und 2008 hat in Wuppertal eine Internationale Tagung zur Septuaginta stattgefunden. Über 60 Forscher aus Europa, Afrika, Asien, Amerika und Australien diskutierten in den Räumen der Kirchlichen Hochschule Fragen der Textüberlieferung, der Interpretation, der Geschichte des antiken Judentums und des hellenistischen Umfeldes.

Die Septuaginta („siebzig“) ist die altgriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, entstanden seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. und somit die älteste bekannte Bibelübersetzung überhaupt. Ihr Name leitet sich von einer Legende ab, nach der 72 jüdische Gelehrte im antiken Alexandria die hebräische Bibel in 72 Tagen ins Griechische übersetzt haben sollen. Die Septuaginta war die Bibel des hellenistischen Judentums und der ersten Christen. Bis heute ist sie die Heilige Schrift der Orthodoxen Kirchen. Für Theologie, Philologie und Religionsgeschichte ist sie von hohem wissenschaftlichen Wert.

Die Wuppertaler Septuaginta-Forschung hat in den letzten zehn Jahren weltweit Anerkennung gefunden. Auf der Tagung wurden jetzt zwei aktuelle Veröffentlichungen präsentiert: die über 1500 Seiten (!) umfassende zweite Auflage der deutschen Übersetzung der griechischen Septuaginta (die 5000 Exemplare der Erstauflage von 2009 sind inzwischen ausverkauft) und der im Verlag Mohr & Siebeck, Tübingen, publizierte Band „Die Septuaginta - Texte, Theologien, Einflüsse“ mit den Vorträgen der Wuppertaler Tagung 2008. Ein umfangreicher, von Wuppertaler Forschern redigierter Kommentarband zur Septuaginta erscheint in wenigen Monaten. Die deutsche Übersetzung der griechischen Septuaginta war Ergebnis einer zehnjährigen Arbeit von über 80 Wissenschaftlern, die sich unter Leitung von Prof. Dr. Martin Karrer (Kirchliche Hochschule Wuppertal) und Prof. Dr. Wolfgang Kraus (Universität Saarbrücken) zusammengetan hatten.

Im Vorwort des Übersetzungsbandes sowie des in Kürze erscheinenden Kommentarbandes wird der Beitrag der Bergischen Universität zum Gelingen besonders hervorgehoben. Prof. Dr. Wolfgang Orth, Historiker (Alte Geschichte) im Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität, und einer der Mitherausgeber von Übersetzung und Kommentar: „Beide Bände belegen erneut die bewährte Kooperation von Bergischer Universität und Kirchlicher Hochschule!“ Die Universität Wuppertal hat im Rahmen des Projekts mehrere internationale Tagungen finanziell unterstützt.

Auf der dritten Septuaginta-Tagung in Wuppertal gehörten auch Mitglieder und Angehörige des Fachbereichs Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität zu den Vortragenden: Prof. Orth sprach über den historischen Quellenwert des sogenannten dritten Makkabäerbuches, Siegfried Kreuzer, Professor für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule und Lehrbeauftragter an der Bergischen Universität, über das Verhältnis zwischen Textforschung und Bibelwissenschaft und Dr. Marcus Sigismund, Lehrbeauftragter im Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universität, über die Bedeutung der Vetus Latina für die Rekonstruktion des Septuaginta-Textes. 2011 sollen die Vorträge im Druck vorliegen.

Auf der Wuppertaler Konferenz wurde außerdem die Vorplanung für die Erarbeitung eines Septuaginta-Handbuchs abgeschlossen. Herausgeber des im Gütersloher Verlagshaus erscheinenden mehrbändigen Werkes sind Prof. Dr. Martin Karrer (Kirchliche Hochschule Wuppertal) und Professor Dr. Wolfgang Kraus (Universität Saarbrücken).

www.septuagintaforschung.de


Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Orth
Telefon 0202/439-2268
E-Mail orth2@uni-wuppertal.de

nächste

Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2010/0208_septuaginta.html