Der Beginn einer neuen Ära für den LHC und den ATLAS Detektor

31.03.2010

Der Beginn einer neuen Ära für den LHC und den ATLAS Detektor

Dr. Dominik Hirschbühl (vorne rechts) und Prof. Mättig
(Bildmitte) im überfüllten ATLAS Kontrollraum.
Dr. Dominik Hirschbühl (vorne rechts) und Prof. Mättig (Bildmitte) im überfüllten ATLAS Kontrollraum.

Am 30. März 2010 um 12.59 Uhr war es soweit: Zum ersten Mal kollidierten im Large Hadron Collider (LHC) am Europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN in Genf Protonen mit einer Energie von 7 Tera-Elektronenvolt. Der Schritt zum Energieweltrekord war kein Selbstläufer! „Gehofft hatten wir auf erste Kollisionen zweier Protonstrahlen um 9 Uhr“, berichtet der Wuppertaler Experimentalteilchenphysiker Prof. Dr. Peter Mättig. Der Protonenstrahl war zu diesem Zeitpunkt schon fast auf der höchsten Energie, doch dann fiel ein Teil der Stromversorgung aus. Erst nach einer Reparatur konnte gegen 11.30 Uhr der Strahl wieder in den LHC gelenkt und auf die höchsten Energien beschleunigt werden.

Nach dem historischen Zeitpunkt 12.59 Uhr dauerte es weitere 20 Minuten, bis der Wuppertaler Physiker Dr. Dominik Hirschbühl die elektrische Spannung des Pixeldetektors hoch fahren konnte. Dann lautes Klatschen im überfüllten Kontrollraum des ATLAS Detektors: alle Teile des Experiments arbeiten hervorragend und die ersten Daten der Protonkollisionen konnten aufgenommen werden.

Dominik Hirschbühl ist für den Betrieb des Pixeldetektors während seiner achtstündigen Schicht verantwortlich. Dieses innerste Nachweisgerät von ATLAS wurde zum großen Teil in Wuppertal gebaut. Auch das System, mit dem der Betrieb dieses Gerätes kontrolliert wird, ist ein Produkt der Wuppertaler Gruppe für Teilchenphysik.

„Es war ein Moment, den man wahrscheinlich nur einmal im Leben erlebt. Hier im Kontrollraum zu sitzen und direkt daran beteiligt zu sein, eine neue Ära der Physik einzuläuten,“ erklärt Dr. Hirschbühl. In den folgenden vier Stunden konnten ca. eine halbe Millionen Ereignisse aufgenommen werden.

„Mit dem heutigen Tag betreten wir wissenschaftliches Neuland“, so der Leiter der Wuppertaler Gruppe, Prof. Peter Mättig. Der LHC ist momentan dreimal stärker als der bisherige Rekordhalter in der Nähe von Chicago, später wird seine höchste Energie noch einmal verdoppelt werden.

Bisher konnten die Physiker alle Messungen innerhalb eines „Standard Modells“ sehr gut beschreiben. Dieses Modell sagt auch voraus, dass in dem Energiebereich des LHC etwas Neues gefunden werden muss. Prof. Mättig: „Wir wissen nicht, was die Natur verborgen hat. Es können völlig neuartige Teilchen und Symmetrien sein, eventuell mehr als unsere bekannten drei Raumdimensionen oder wir finden, dass die Teilchen, die wir als unteilbar ansehen, doch zusammengesetzt sind. Auf jeden Fall haben wir mit dem LHC hervorragende Möglichkeiten diese Rätsel zu lösen.“

Die Lösung wird nicht in den nächsten Tagen gefunden werden, sondern erfordert einen langen Atem. Prof. Mättig: „Unsere Wuppertaler Gruppe ist auf jeden Fall mit ihrem Computing Zentrum und der wissenschaftlichen Erfahrung sehr gut vorbereitet, um aktiv an der Beantwortung dieser Fragen mitzuwirken.“

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2010/0331_lhc.html