Wuppertaler Forschungsprojekt über Kindheit in Kirgistan

22.06.2010

Wuppertaler Forschungsprojekt über Kindheit in Kirgistan

Die kirgisischen Kindergartenkinder empfingen die Wuppertaler Forscherinnen mit offenen Armen. Die kirgisischen Kindergartenkinder empfingen die Wuppertaler Forscherinnen mit offenen Armen.

Auf Initiative der Wuppertaler Familiensoziologin Prof. Dr. Doris Bühler- Niederberger und ihrer Mitarbeiterin Dr. Alexandra König kooperiert die Bergische Universität seit 2008 mit Kirgistan. Das Studienprojekt „Strukturen und Bedingungen des Aufwachsens“ wird vom Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD) mit fast 100.000 Euro gefördert. Anfang 2010 hat Prof. Bühler-Niederberger gemeinsam mit ihrer Doktorandin Jessica Schwittek ein weiteres Forschungsprojekt zur Erziehung kleiner Kinder in Kirgistan gestartet. Aktuell wurden die Arbeiten der beiden Wuppertalerinnen durch die politischen Unruhen in Kirgistan beeinträchtigt. Die Soziologinnen konnten zwar Forschungsmaterial sammeln, saßen jedoch tagelang in der kirgisischen Stadt Osch fest. Teile der Stadt liegen inzwischen in Trümmern, immer wieder kommt es dort zu Unruhen.

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Prof. Bühler-Niederberger: „2008 war Kirgistan noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der kindheitssoziologischen Forschung, obwohl es die Umstände des Aufwachsens in diesem postsowjetischen Land dringend nahe legten, sich dem Thema eingehender zu widmen.“ Nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Bildungssystems sind die früheren Vorschuleinrichtungen mehr oder weniger vollständig weggebrochen. Nur 13 Prozent aller Kinder unter 7 Jahren besuchen eine solche Einrichtung. Doris Bühler-Niederberger: „Vor dem Hintergrund dieses gravierenden Mangels an kleinkindlicher Förderung setzt unser Projekt an und untersucht wie Eltern kleiner Kinder diese Altersgruppe wahrnehmen, welchen Wert, welche Bedürfnisse, welche Fähigkeiten sie ihnen zuschreiben, welche Erziehungspraktiken sie verwenden, welchen Stellenwert die Kinder in der alltäglichen Organisation des Haushalts haben.“ Unterstützt wird das Projekt finanziell und organisatorisch durch UNICEF und die Aga-Khan Foundation.

Prof. Bühler-Niederberger: „Die Erwartungen an die Kinder sind in Kirgistan überaus groß und entsprechen nicht unserem Verständnis von Geben und Nehmen zwischen Erwachsenen und Kindern. In Kirgistan sind weit stärker die Kinder für die Eltern da und weit weniger die Eltern für die Kinder.“ Trotz der vielen Brüche und Ungereimtheiten dieser Gesellschaft gelte es aber auch auf die Qualitäten dieser Kindheiten aufmerksam zu machen, so die Wuppertaler Familiensoziologin: die Ruhe und Konzentration der Kinder, wenn sie die Zeichnungen und Erklärungen für das Forschungsprojekt anfertigten, die Liebe zur Natur, die die Kinder zeigten und ihre Begeisterung für die Mitarbeit am Projekt. Auch Eltern und Kindergärtnerinnen zeigten sich sehr offen für das Projekt. „Die Mütter zeigten nicht selten großes Verständnis für das Anliegen der Forschung“, berichtet Prof. Bühler-Niederberger. Ein Problem in der strikten Altershierarchie des Landes sei allerdings, dass die Stellung der jungen Frauen und Mütter in den Familien oft nicht besonders hoch sei.

Prof. Dr.Doris Bühler-Niederberger. Prof. Dr.
Doris Bühler-Niederberger.

„Sobald uns die Situation im Land es erlaubt, wollen wir weiteres Material sammeln,“ das ist die feste Absicht der Wuppertaler Forscherinnen. An dem Forschungsprojekt sind auch Studenten beteiligt: Deutsche Studierende, die Erfahrungen in der Feldforschung sammeln, und kirgisische Studierende, die wichtige Hilfestellung bei der Übersetzung und Interpretation des Materials leisten.

Homepage von Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger


Kontakt:
Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger
Fachbereich Bildungs- und Sozialwissenschaften
Soziologie der Familie, Jugend und Erziehung
Telefon 0202/439-2283
E-Mail buehler@uni-wuppertal.de

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