14 Ehemalige aus dem Maschinenbau zu Gast an der Bergischen Universität

15.09.2010

Nach 100 Semestern zurück in der Uni

14 Ehemalige aus dem Maschinenbau zu Gast an der Bergischen Universität

„So meine Herren, und jetzt die Prüfung“, scherzt Dipl.-Ing. Manfred Enge, als er mit seinen ehemaligen Kommilitonen die Gebäude der Abteilung Maschinenbau an der Bergischen Universität Wuppertal betritt. So ganz authentisch ist die Situation allerdings nicht, denn die 14 Herren, allesamt um die 72 bis 75, haben ihren Abschluss zum Maschinenbauingenieur vor 50 Jahren gemacht, damals noch an der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen.

Die in Anlehnung an ihren alten Oberstudiendirektor nach bergischer Redensart auch „Kuhlmanns Kotten“ genannte Ingenieurschule war als eine der ältesten technischen Ausbildungsstätten Nordrhein-Westfalens 1971 zunächst in die Fachhochschule Wuppertal und dann in die Gesamthochschule Wuppertal eingegliedert worden.

Ein Vortrag zum heutigen Studienaufbau von Prof. Dr.-Ing. Uwe Janoske verdeutlicht die immensen Unterschiede zum damaligen Ingenieursstudium. „Heute müssen die Studierenden viel mehr Theorie pauken. Die meisten von uns kamen damals aus der Praxis und hatten oftmals schon eine Lehre hinter sich gebracht. Die Ausbildung war insgesamt wesentlich verschulter und sehr praktisch orientiert“, erläutert Dipl.-Ing. Dieter van Spankeren, der bis heute gemeinsam mit seinem Sohn ein Ingenieurbüro betreibt.

Fachsimpelei Fachsimpelei "Wie war es früher, wie ist es heute?" (v.l.n.r.): Dipl.-Ing. Ernst Küchmann, Dipl.-Ing. Horst Stanislawski und Dipl.-Ing. Manfred Polley diskutieren über die aktuellen Versuchsstände des Instituts für Konstruktion.Fotos Sebastian Jarych

An der Ingenieurschule herrschten zudem wesentlich strengere Umgangsformen. „Ich erinnere mich noch genau an Baurat Winter. Bei ihm durfte kein Student ohne Krawatte an den Lehrveranstaltungen teilnehmen“, so Prof. Dr. Peter Treier, der 30 Jahre an der Bergischen Universität Wuppertal gelehrt hat und als einziger Ehemaliger auch diesmal mit Krawatte erschienen ist.

Während heutzutage ein Großteil der Produkte virtuell entwickelt wird, waren die technischen Möglichkeiten Ende der 50er Jahre sehr begrenzt. „Wir haben mit Reißbrett und Rechenschieber gearbeitet und mussten alle Versuche per Hand durchführen“, erinnert sich Dipl.-Ing. Carsten Ramcke, der zeitlebens seinem gelernten Beruf des Konstrukteurs treu geblieben ist.

Alle 14 Absolventen der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen gingen in Führungspositionen einen erfolgreichen Berufsweg. Viele waren in namhaften deutschen Unternehmen tätig, so auch Manfred Enge, der 37 Jahre bei dem Wuppertaler Traditionsunternehmen Henkels beschäftigt war, zuletzt als Planungsingenieur. Einige machten sich mit ihren Ideen selbstständig, wie auch Dipl.-Ing. Friedhelm Stecher, der mit seinem Sohn in Wilhelmshaven ein Unternehmen für Dichtungs- und Oberflächentechnik aufgebaut hat.

Eine der steilsten Karrieren der Herrenrunde kann wohl Dipl.-Ing. Ernst Küchmann vorweisen, der mit der eher durchschnittlichen Abschlussnote „befriedigend“ Produktionsleiter bei Ford Köln wurde und dort zuletzt auch Vorstandsmitglied war.

JANINE DIETZ

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