Mathematiker Prof. Wolfgang Spiegel im Ruhestand

14.12.2010

Mathematiker Prof. Wolfgang Spiegel im Ruhestand

Prof. Dr. Wolfgang Spiegel, Mathematiker und ehemaliger Prorektor für Forschung der Bergischen Universität, hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Nach seinem Studium der Mathematik an der Freien Universität Berlin promovierte der gebürtige Berliner 1971. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Fachkollegin Sigrid, ebenfalls Diplom-Mathematikerin, geheiratet, die er 1963 als Kommilitonin kennen gelernt hatte. Er erinnert sich: Selbst Studenten „siezten“ sich noch untereinander und eine junge Dame wurde als „Fräulein“ angesprochen...

1975 erfolgte Spiegels Habilitation an der FU Berlin, ein Jahr später nahm er den Ruf an die 1972 gegründete Gesamthochschule Wuppertal – wie sie damals noch hieß – an. Sein Fachkollege Prof. Dr. Harald Scheid erinnerte sich bei der Verabschiedungsfeier so daran: „Die ausgeschriebene Stelle war im Bereich der Didaktik der Mathematik angesiedelt, setzte aber eine Habilitation voraus. Habilitationen im Bereich Didaktik gab es seinerzeit aber so gut wie nicht. Sie hatten damals nur marginale Erfahrungen in der Didaktik und der Lehrerausbildung, was Sie kaschieren mussten. Es war für uns damals aber leichter, der Obrigkeit eine fehlende Qualifikation in Didaktik zu verschleiern als eine fehlende Habilitation. Sie waren reiner Mathematiker, und das war auch gut so!“

1980 wurde Spiegel zum außerplanmäßigen, ein Jahr später zum Professor ernannt. Aus seinem langjährigen Amt als Dekan des vormals noch eigenständigen Fachbereichs Mathematik wurde Prof. Spiegel 2003 zum Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs im Rektorat von Prof. Dr. Volker Ronge gewählt. Auf diesem Feld hat Prof. Spiegel vier Jahre lang erfolgreich gewirkt. Schon als Dekan war er Mit-Initiator des Barmenia Mathematik-Preises. Der Öffentlichkeit wurde unter seiner Verantwortung die Forschung der Bergischen Uni in „Tagen der Forschung“ präsentiert.

Das gemeinhin weniger beliebte Fach Mathematik populärer zu machen, blieb immer großes Anliegen von Prof. Spiegel. Das gelang ihm in vielen öffentlichen Auftritten, so beim bekannten Mathe-Treff des Düsseldorfer Regierungspräsidenten. Dann verband er seine sprichwörtliche Fröhlichkeit mit allgemeinverständlicher Mathematik und Mathematik-Geschichte.

Eine andere Liebhaberei entdeckte Spiegel erst vor wenigen Jahren, das Wuppertaler Tanztheater. Als aktiver Mittänzer nahm er im Frühjahr an einem Gastspiel in London teil, wo im berühmten Theater „Barbican“ eine Aufführung von “Kontakthof” stattfand und der Wuppertaler Mathe-Prof das erste Mal auf der Bühne stand. Prof. Spiegels heimlicher Wunsch nach diesem Erlebnis: „Vielleicht findet noch einmal in Wuppertal eine Aufführung statt, bei der ich dabei sein darf!“

Laudator Prof. Scheid: „Es ist nicht verwunderlich, dass man als Mathematiker auch außerhalb seiner Disziplin ästhetischen Aspekten nachgeht, in Musik, Literatur oder beim Tanztheater. Ich bin sicher, dass Sie auch dort, wie in unserem Fachbereich, mit Ihrem Berliner Charme für Effizienz, aber auch für Harmonie und Heiterkeit sorgen.“

Mathematiker gelten als introvertierte Käuze, weltfremd und öffentlichkeitsscheu, merkte Prof. Scheid bei der Verabschiedung an. Da die Welt der Mathematik von Beweisen gekennzeichnet ist: Prof. Dr. Wolfgang Spiegel war hinsichtlich dieses weit verbreiteten Vorurteils 34 Jahre lang an der Bergischen Universität der personifizierte Gegenbeweis.

M.K.

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2010/1214_spiegel.html