Wuppertaler Beiträge zu Mies van der Rohe

22.03.2011

Wuppertaler Beiträge zu Mies van der Rohe

Prof. Dr.-Ing. Friederike Deuerler (links), Materialwissenschaftlerin, und Prof. Dr. Gerda Breuer, Kunsthistorikerin: Wissenschaftliche Verbindung über ein berühmtes Sitzmöbel, den Barcelona Chair von Mies van der Rohe von 1929. Bei dem Sessel links handelt es sich um eine Leihgabe des Versandhauses BADER in Pforzheim. Er wurde 1959 zum 30. Firmenjubiläum hergestellt und ist galvanisch vergoldet. Prof. Dr.-Ing. Friederike Deuerler (links), Materialwissenschaftlerin, und Prof. Dr. Gerda Breuer, Kunsthistorikerin: Wissenschaftliche Verbindung über ein berühmtes Sitzmöbel, den Barcelona Chair von Mies van der Rohe von 1929. Bei dem Sessel links handelt es sich um eine Leihgabe des Versandhauses BADER in Pforzheim. Er wurde 1959 zum 30. Firmenjubiläum hergestellt und ist galvanisch vergoldet.lick auf das Foto: Größere Version
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Foto Friederike von Heyden

„Kunst und Technik – eine neue Einheit“ – nach dem Motto des Bauhausdirektors Walter Gropius hatten sich zwei Wissenschaftlerinnen ganz unterschiedlicher Fachrichtungen der Bergischen Universität Wuppertal im vergangenen Jahr zusammengetan: Die Kunst- und Designhistorikerin Prof. Dr. Gerda Breuer und die Materialwissenschaftlerin Prof. Dr.-Ing. Friederike Deuerler beleuchteten unter dem Titel „Vom Prototyp zum Kultobjekt“ den berühmten Barcelona Chair von Mies van der Rohe. Daraus wurde eine Ausstellung in der Wuppertaler Universitätsgalerie. Einige der interessantesten Teile davon sind jetzt in Aachen zu sehen, wo der am 27. März 1886 geborene Ludwig Mies van der Rohe mit einem Jubiläumsprogramm gefeiert wird. Prof. Breuer hält am kommenden Sonntag, 27. März, einen Festvortrag im Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Mies van der Rohe hatte den Sessel für den deutschen Ausstellungspavillon auf der Weltausstellung in Barcelona 1929 entworfen. Im Laufe der Jahre wurde daraus eine Design-Ikone, die Prof. Deuerler zunächst aus privatem Interesse in den Röntgenfokus genommen hatte: Die Professorin für Werkstofftechnik führte in Kooperation mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (Berlin) sowie den Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalten in Duisburg und München röntgenologische Untersuchungen der ältesten bekannten Pavillon-Sessel durch, um – zerstörungsfrei! – zu klären, wie die Stil-Ikone der Sitzmöbel des 20. Jahrhunderts überhaupt hergestellt wurde. Der „Barcelona-Sessel“ ist seit 1929 ein repräsentatives Sitzmöbel im International Style.

Die Untersuchungen ergaben: Der Chair wurde auf unterschiedliche Art und Weise aus sieben Stücken Flachstahl zusammengesetzt, teils verschweißt, teils verschraubt und genietet. Prof. Deuerler gelang es erstmals, den Produktionszeitpunkt des berühmten Sitzmöbels einzugrenzen und zu bestimmen, wie nahe es dem Status des Prototypen, also des Originals, ist.

Möbel und Möbelentwürfe von Ludwig Mies van der Rohe sind Gegenstand eines neuen Forschungsprojekts des Münchener Zentralinstituts für Kunstgeschichte in Zusammenarbeit mit der Uni Wuppertal. Ziel ist die Erstellung eines Werkverzeichnisses der Möbel und Möbelentwürfe Mies van der Rohes als Online- und Buchpublikation. Grundlage des Verzeichnisses sind Archiv- und Quellenforschung sowie Untersuchungen zum Herstellungsprozess der Möbel mit Hilfe von Röntgentechnologie und Materialkonsistenzprüfung. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Neben der kunsthistorischen Einordnung einzelner Entwürfe gilt besonderes Interesse konstruktionstechnischen und materialbedingten Voraussetzungen der Möbel. „Diese können in einigen Fällen als Datierungshilfe dienen und dazu beitragen, Klarheit in das Dickicht von Fehlzuschreibungen, Falschdatierungen und Fälschungen zu bringen, das die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte von Mies van der Rohes Möbeln beherrscht,“ so Prof. Deuerler.

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Kontakt
Prof. Dr. Gerda Breuer
Telefon 0202/439-5796/-5703
E-Mail breuer@uni-wuppertal.de

Prof. Dr.-Ing. Friederike Deuerler
Abteilung Sicherheitstechnik
Telefon 0202/439-3827
E-Mail deuerler@uni-wuppertal.de

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