Zum veränderten Umgang mit Höflichkeit in Wissenschaft und Schule

29.09.2011

„Höflich…echt?“

Zum veränderten Umgang mit Höflichkeit in Wissenschaft und Schule

Die Diskussion um veränderte sprachliche Umgangsformen hat in den letzten Jahren in Schule und Öffentlichkeit deutlich zugenommen. Dies zeigt sich z.B. an der Diskussion über "Kopfnoten", aber auch an Klagen über unangemessenes, respektloses, eben unhöfliches Verhalten eben von Schülerinnen und Schülern, aber auch von Lehrkräften. Neue Medien ("Netiquette"), zunehmende Multikulturalität und damit die Wirkung unterschiedlicher kultureller Verhaltensstandards sind weitere Faktoren, die den Informations- und Beratungsbedarf in Öffentlichkeit und Schule wachsen lassen. An der Bergischen Universität trafen sich Wissenschaftler, Lehrer, Schüler und Studierende, um Erfahrungen auszutauschen und Perspektiven für den Umgang mit sprachlicher (Un)Höflichkeit aufzuzeigen

Schüler verschiedener Schulformen und -stufen waren an der Programmgestaltung beteiligt – schließlich sollte nicht nur über die Jugendlichen, sondern vor allem auch mit ihnen gesprochen werden. So präsentierten zwei Schülerinnen des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums, Wuppertal, Ergebnisse ihrer Beobachtungen zum Grußverhalten von Lehrern gegenüber Schülern, die sie recherchiert und ausgewertet hatten, sowie eine Analyse zum sprachlichen Verhalten von Jugendlichen in den Neuen Medien. Schülerinnen der Städtischen Gesamtschule Leverkusen-Schlebusch präsentierten eine Sammlung sprachlicher Ausdruckformen von Höflichkeit und Unhöflichkeit als Ergebnis eines Unterrichtsprojektes.

Prof. Dr. Dieter Cherubim (Universität Göttingen) und Prof. Dr. Heinz-Helmut Lüger (Universität Koblenz-Landau) stellten Anregungen aus der neuen Höflichkeitsforschung vor: Während (un)höfliches Verhalten für Laien vor allem durch Alltagserfahrungen mit dem eigenem und/oder der Wahrnehmung fremden Verhaltens einhergeht, zielt wissenschaftliche Höflichkeitsforschung auf präzise Definitionen und Analysen von (Un)Höflichkeit. Prof. Lüger widmete sich der Abstufung von Höflichkeitsgraden in schriftlichen oder mündlichen Kommunikationssituationen und belegte eine abnehmende Höflichkeit.

Schülerinnen des Gymnasiums Bayreuther Straße und des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums nahmen in zwei Sketchen das Publikum mit in eine fiktive Schulstunde, in der eine Übertreibung von sprachlicher Höflichkeit für komische Effekte sorgte. Eine Restaurantszene stellte Widersprüche zwischen äußerem Erscheinungsbild und (un)höflichen Umgangsformen von zwei Gästegruppen dar.

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2011/0929_hoeflich.html