Stella-Baum-Kunstförderpreis 2011 für Momo Trommer

14.12.2011

Stella-Baum-Kunstförderpreis 2011 für Momo Trommer

(Aktualisiert 20.12.2011) Die Wuppertaler Kunst-Studentin Momo Trommer hat für ihr bildhauerisches Werk „Parade“ den mit 2.500 Euro dotierten Stella-Baum-Kunstförderpreis erhalten. Die Jury wählte das Werk aus rund 160 eingereichten Arbeiten aus. Der vom Rektorat der Universität mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der Bergischen Universität (GFBU) ausgelobte Stella-Baum-Preis honoriert Leistungen im Fach Kunst und ermöglicht ausgewählten Kunststudierenden, ihre Arbeiten einem breiteren Publikum zu präsentieren. Der Preis ist nach der Wuppertaler Kunstsammlerin und Mäzenin Stella Baum benannt, die auch Ehrenbürgerin der Bergischen Universität war. Eine Ausstellung mit Werken von Momo Trommer ist im Rektoratsgebäude auf dem Campus Grifflenberg zu sehen (Gebäude B, Ebene 08).

Mitglieder der Jury waren Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums, Prof. Dr. Ulrich Heinen, Kunsthistoriker und Dekan des Fachbereichs Design und Kunst, Holger Kruppe, Geschäftsführer der Historischen Stadthalle und Mitglied im Beirat der GFBU, Andrea Peters, Leiterin der Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf, Katja Pfeiffer, Professorin für künstlerische Praxis in Wuppertal, und Universitätsarchivar Dr. Joachim Studberg.

Nach einer Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin in Köln studiert die gebürtige Marburgerin Momo Trommer (28) seit 2007 Kunst und Gestaltungstechnik/ Mediendesign an der Bergischen Universität. „Die Szenarien in der Malerei von Momo Trommer rufen ambivalenten Reaktionen hervor und sollen auch genau dies tun“, so Prof. Katja Pfeiffer. Darstellungen, in denen Menschen Hundeschnauzen in den Mund nehmen und Tiere stillen, also annähernd sodomistische Handlungen am Tier begehen, gehören heute zu den wenigen Bildbereichen, die noch weitgehend tabuisiert sind. Prof. Pfeiffer: „Während den zeitgenössischen Betrachter beim Blick auf andere einstige Tabubrüche schon eine gelangweilte Gewöhnung ergreift, zuckt er angesichts solcher Bilder noch zusammen, selbst wenn die Geste an sich durchaus liebevoll gemeint erscheint.“

Momo Trommer sucht in ihren Bildentwürfen seltsame und ungeklärte Situationen zwischen dem Mensch und seinem sprachlosen Gegenüber, dem Tier, womit sie immer auch auf ein latentes Machtgefüge verweisen will. „Die Bildgegenstände und ihre Bearbeitung heben sich gegenseitig auf, so dass die Arbeiten formal wie inhaltlich zwischen einer kitschigen Zuckerwattewelt und einer unterschwelligen Bedrohung changieren“, erläutert Prof. Pfeiffer. Rosa, Pink und Lilatöne werden aggressiv mit dem Spachtel ab- und zerkratzt, feinfühlige naturalistische Malerei steht drastischer Farbwahl entgegen und die weichen Formen niedlicher Tierchen kontrastieren mit massiven, kantigen Architekturen. Auch die Größenverhältnisse und die Anzahl der Figuren sorgen für eine unentschiedene Kräfteverteilung. Es entstehen teils irritierende Bilder, auf die der Betrachter sowohl mit Verständnis und Wiedererkennen als auch mit Unverständnis und Ekel reagiert. Die Identifikation gelingt, weil Momo Trommer Figuren erschafft, die zwar zu detailliert sind, um abstrakt zu sein, aber dennoch allgemein genug erscheinen, um bedeutungsoffen zu bleiben.

Stella Baum, Autorin, Kunstsammlerin und Mäzenin, sammelte gemeinsam mit ihrem Mann Gustav Adolf Baum seit Ende der 1950er-Jahre zeitgenössische Kunst. Sie trat mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen zu Kunst- und Gegenwartsfragen an die Öffentlichkeit. Schon kurze Zeit nach Gründung der Gesamthochschule Wuppertal 1972 waren Stella und Gustav Adolf Baum 1976 zu ersten Ehrenbürgern der Hochschule ernannt worden. Im Hause Baum wurden zahlreiche Kontakte zwischen Gründungsrektorat, neu nach Wuppertal berufenen Professoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Stadt und Land mit Wirtschaft, Politik und Kunst geknüpft. Daraus entwickelte sich eine enge Verbundenheit zwischen dem Ehepaar Baum und der Universität. Stella Baum starb 2006 im Alter von 85 Jahren.

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Druckversion von http://www.presse.uni-wuppertal.de/2011/1214_stellabaum.html