„Habermas und der Historische Materialismus“

23.02.2012

„Habermas und der Historische Materialismus“

„Habermas und der Historische Materialismus“ ist der Titel einer Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal vom 23.-25. März, zu der Prof. Jürgen Habermas seine Teilnahme zugesagt hat. Experten aus Philosophie, Soziologie, Politologie und Rechtswissenschaft diskutieren mit ihm vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Systemkrise des globalisierten Kapitalismus das gesellschaftstheoretische Potential des Historischen Materialismus von Marx und Engels, an den Habermas bis zum Ende der 70er Jahre angeknüpft hat. Gastgeber ist der Wuppertaler Philosoph Prof. Smail Rapic.

In seinem neuesten Buch „Zur Verfassung Europas“ wertet Habermas die gegenwärtige Wirtschaftskrise als Systemversagen des Kapitalismus und warnt vor der Aushöhlung demokratischer Entscheidungsstrukturen durch das wirtschaftspolitische Krisenmanagement. Die Konsolidierungsprogramme von Europäischem Rat und Internationalem Währungsfonds (IWF) laufen nach Habermas darauf hinaus, Imperative der Märkte durch Sanktionsandrohungen und Pressionen gegenüber entmachteten nationalen Parlamenten durchzusetzen. Mit dieser Diagnose bekräftigt Habermas seine schon vor Jahrzehnten formulierte These, dass Kapitalismus und Demokratie in einem unauflöslichen Spannungsverhältnis stehen.

Auf der Wuppertaler Tagung wird das breite Spektrum von Habermas´ Auseinandersetzung mit Marx und Engels vor dem Hintergrund aktueller Forschungsdiskussionen erörtert. Es umfasst das Verhältnis von Ökonomie und Politik, die Geschichte des Moralbewusstseins und des Rechts und nicht zuletzt Habermas´ Konzeption des herrschaftsfreien Dialogs als Leitmodell zivilgesellschaftlicher Öffentlichkeit.

Bis Ende der 1970er Jahre hat Habermas das Programm einer „Rekonstruktion des Historischen Materialismus“ von Marx und Engels verfolgt. Seit seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“ (1981) vertritt er jedoch den Standpunkt, dass das Scheitern der „revolutionären Erwartungen“ von Marx und Engels fundamentale Schwächen ihrer Theorie offenbare. In einem Zeit-Interview erklärte Habermas 2008, seit 1989/90 gebe es „kein Ausbrechen mehr aus dem Universum des Kapitalismus“. Es könne nur noch um eine „Zivilisierung und Zähmung der kapitalistischen Dynamik von innen gehen“. Auf der Wuppertaler Tagung wird diskutiert, ob in der gegenwärtigen Systemkrise des globalisierten Kapitalismus die Forderung nach einer „Kontrolle wirtschaftlicher Verfügungsmacht“, die Habermas 1970 gegenüber Willy Brandt erhoben hatte, wieder aktuell ist.

Die Tagung ist prominent besetzt: Mit den Marx-Interpretationen des Philosophen Prof. Georg Lohmann und des Soziologen Prof. Hauke Brunkhorst hat sich Habermas in seiner Theorie des kommunikativen Handelns auseinandergesetzt. Prof. Michael Quante, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, und Dr. Ingo Elbe sind in den letzten Jahren als Marx-Forscher hervorgetreten. Die Politologin Prof. Regina Kreide ist Mitherausgeberin des Habermas-Handbuchs. Der Soziologe Prof. Stefan Müller-Doohm arbeitet zur Zeit an einer umfassenden Habermas-Biographie. Der Rechtswissenschaftler Prof. Klaus Günther ist einer der prominentesten Schüler von Habermas. Er leitet gemeinsam mit Prof. Rainer Forst das international renommierte Exzellenz-Cluster „Normative Orders“ an der Universität Frankfurt a. M.

Erwartet werden in Wuppertal ferner Prof. William Outhwaite, einer der führenden angelsächsischen Habermas-Experten, Prof. Karl-Otto Apel, einer der bedeutendsten deutschen Philosophen der Nachkriegszeit, und Prof. Agnes Heller, Schülerin von Georg Lukács, die die Hannah Arendt-Professur an der New School for Social Research in New York innehatte.

www.habermas-tagung.uni-wuppertal.de


Kontakt
:
Prof. Dr. Smail Rapic
Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften
E-Mail rapic@uni-wuppertal.de

Andreas Thomas M.A.
Telefon 0202/439-2399
E-Mail habermas-tagung@uni-wuppertal.de

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