Forschungsprojekt an der Bergischen Universität

26.03.2012

Zweiter Weltkrieg: Alltag unter deutscher Besatzung

Forschungsprojekt an der Bergischen Universität

Zum Zweiten Weltkrieg, vor allem zu den deutschen Tätern, gibt es mittlerweile unzählige Forschungsprojekte. Kaum erforscht ist dagegen das Alltagsleben lokaler Bevölkerungen unter deutscher Besatzung. Ab Mai untersuchen Forscherinnen und Forscher aus 17 europäischen Ländern unter Leitung der Wuppertaler Historikerin Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer und Prof. Dr. Peter Haslinger, Direktor des Herder-Instituts Marburg, den Alltag unter deutscher Besatzung. Das Projekt wird für drei Jahre von der Leibniz-Gemeinschaft mit 660.000 Euro gefördert.

Kern des Projektes ist die Erstellung einer englischsprachigen Quellenedition, die Alltagserfahrungen im deutsch besetzten Europa abbildet und neue Forschung anstößt. „Dazu gehören unmittelbare wie mittelbare Gewalterfahrungen, z. B. in Form von Zeugenschaft an der Ermordung der europäischen Juden, die Erfahrung von Besatzungsherrschaft und ihrer Mittlerinstanzen, wie lokale Bürgermeister oder einheimische Milizen und Hilfspolizeieinheiten, aber auch Einquartierungen, Versorgungsmängel, Strategien der Nahrungsmittelbeschaffung und die Zwangsarbeit“, sagt Prof. Tatjana Tönsmeyer. Diese Alltagserfahrungen seien vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich Besatzungsgesellschaften durch die Abwesenheit von Männern auszeichnen und vor allem von Frauen, Kindern, Jugendlichen und Alten geprägt sind.

Als Kooperationspartner für das Editions- und Forschungsprojekt „Zweiter Weltkrieg: Alltag unter deutscher Besatzung“ konnten Prof. Tönsmeyer und Prof. Haslinger renommierte Forschungseinrichtungen und Experten aus allen 17 europäischen Ländern gewinnen, die in den Kriegsjahren deutsch besetzt waren, darunter Forscherinnen und Forscher aus Oslo und Athen, Moskau und Paris.

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung am 31. Mai im Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ in Berlin wird das Projekt der interessierten (Fach-)Öffentlichkeit vorgestellt.

Kontakt:
Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer
Fachgebiet Neuere und Neueste Geschichte
Telefon 0202/439-2422 (Sekretariat)
E-Mail Toensmeyer@uni-wuppertal.de

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