Wuppertaler Wirtschaftspsychologen kooperieren mit Partnern aus der Industrie

12.12.2012

Entspannter Fliegen: Grundlagen für bessere Kabinenbeleuchtung erforscht

Wuppertaler Wirtschaftspsychologen kooperieren mit Partnern aus der Industrie

Probandin mit EKG, Fragebögen und Sammelbehälter für Speichelproben
Probandin mit EKG, Fragebögen und Sammelbehälter für Speichelproben Fotos Achim Leder

Sanfte Übergänge zwischen Tag und Nacht sind inzwischen an Bord von modernen Verkehrsflugzeugen Standard. Wie sich das Szenario aus Farben und Helligkeit mit Blick auf das Wohlbefinden der Passagiere durch den Einsatz von neuem chronobiologisch (d.h. der „inneren Uhr“) angepasstem Licht noch weiter verbessern lässt, haben die Bergische Universität Wuppertal und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart mit den Industrie-Partnern Airbus, Diehl Aerospace und Osram in einem gemeinsamen Projekt erforscht. Projektverantwortlicher an der Uni Wuppertal ist Achim Leder, Doktorand von Prof. Dr. Jarek Krajewski am Arbeitsgebiet Experimentelle Wirtschaftspsychologie.

Für Tests im Rahmen des Forschungsprojekts wurde das Modell einer Flugzeugkabine am Diehl-Standort Nürnberg flugrealistisch ausgestattet. Innerhalb von sechs Tagen erlebten 32 Probanden an Bord eines Simulators je drei detailgetreu nachgestellte Nachtlangstreckenflüge. Das Ergebnis der Untersuchung: Chronobiologisch angepasste Beleuchtung basierend auf Leuchtdioden (LED) führt insbesondere bei Langstreckenflügen über Nacht für Reisende – medizinisch messbar – zu besserem Schlaf, einer Steigerung des Wohlbefindens und höherer Aktiviertheit am Zielort.

„Warmes, weißes Licht zu Beginn eines Nachtfluges trägt zur Behaglichkeit und Entspannung bei, regt die Melatoninproduktion an, sorgt für eine ruhigere Herzfrequenz und macht somit den Flugverlauf für den Passagier durch einen besseren Schlaf entspannter“, erklärt Achim Leder. Kaltes, weißes Licht am Morgen nach der Nachtruhe wirke hingegen aktivierend und lasse den Fluggast – durch Unterdrückung der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin – sein Ziel aktivierter erreichen. Licht ist der primäre Stimulus für die Regulierung der „inneren Uhr“ des Menschen und kann somit Einfluss auf die Erholung nehmen.

Achim Leder: „Während der Flüge wurde die Beleuchtung mit Hilfe von LED und intelligenten Licht-Management-Systemen auf die jeweiligen Flugphasen und -zeiten abgestimmt.“ Neben der Lichtintensität wurden die Farbspektren entsprechend der Tageszeit ausgewählt. Psychologische und physiologische Reaktionen der Probanden, u.a. Müdigkeit, Schlafqualität, Stress, Wohlbefinden und Aktiviertheit wurden dabei erstmals im Flugzeug durch verschiedene medizinische Instrumente gemessen und ausgewertet. Neben Selbst- und Fremdeinschätzungen anhand von Fragebögen wurden EKG-Messungen zur Bestimmung der Herzratenvariabilität an jedem Probanden durchgeführt, Speichelproben entnommen, um den Spiegel des Schlafhormons Melatonin und des Stresshormons Cortisol zu erfassen, sowie Bewegungssensoren an den Testpersonen eingesetzt.

Probanden, Forscherteam und Industriepartner. Probanden, Forscherteam und Industriepartner.

Licht steuert wichtige Körperfunktionen, unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Hormonproduktion; das Schlafhormon Melatonin fördert den Schlaf, das Stresshormon Cortisol unterstützt die Aktiviertheit. „Halten wir uns vorwiegend draußen auf, hilft uns vor allem das Licht des Himmels bei der Synchronisierung der inneren Uhr. Verbringen wir dagegen zu viel Zeit in Räumen mit schlechter Beleuchtung oder überspringen wir Zeitzonen – zum Beispiel durch einen Langstreckenflug – kommt der Lauf der inneren Uhr durcheinander“, sagt Achim Leder. Intelligente Lichtlösungen sollen daher zukünftig auch Jet-Lag oder Erschöpfung durch lange Flüge verringern und schneller überwinden lassen.

www.xwp.uni-wuppertal.de

Weitere Infos über Projektpartner

Kontakt
Achim Leder MBE
Telefon 0177/2853337
E-Mail a.leder@uni-wuppertal.de

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