Die nachfolgende Meldung wurde am 19. April 2000 anlässlich des 90. Geburtstags von Dr. Heinz Wolff online gestellt. Verfasser ist der frühere Pressesprecher der Bergischen Universität, Michael Kroemer. Die Beurteilung der Vita von Wolff hat allgemein über viele Jahre hinweg bis zum heutigen Tage für – zwischenzeitlich heftige – Kontroversen gesorgt. Exemplarisch sei auf die Dokumentation einer an unserer Universität durchgeführten Podiumsdiskussion aus dem Jahre 2008 unter dem Titel "Von der Bücherverbrennung zur Gründung der Bergischen Universität? Zur Karriere von Heinz Wolff" verwiesen. Aus Sicht der aktuellen Hochschulleitung wird das "erste Leben" von Wolff in der unten stehenden Meldung zu Gunsten einer einseitig rühmenden Darstellung seiner späteren Verdienste verharmlost. Damit alle interessierten Leserinnen und Leser sich selbst ein Bild von der Person und dem Wirken Heinz Wolffs machen können, findet sich im Anschluss an die Meldung eine Auswahl entsprechender Links. Die Meldung selbst ist Teil des Medienarchivs der Universität und soll daher als mittlerweile selbst schon "historisches" Dokument nicht entfernt werden.

Das Rektorat der Bergischen Universität Wuppertal, Wuppertal 2013


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Der Universität verschrieben

19. April 2000
(Letzte Aktualisierung: 17.09.2013)

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Zum 90. Geburtstag ihres großen Förderers Dr. Heinz Wolff am 30. März:
Erinnerung an einen vorbildlichen Journalisten und engagierten Wuppertaler

Journalisten verbindet man mit ihrem Medium, mit ihrer Zeitung, Zeitschrift, Rundfunkanstalt, stellt sie sich recherchierend,  berichterstattend, kommentierend vor, weniger oder gar nicht als Akteure gesellschaftlicher Aufgaben. Gleichwohl gibt es viele Journalistinnen und Journalisten, die sich ehrenamtlich und außerhalb ihres eigentlichen Jobs für eine Sache einsetzen, sich ihr gar "verschrieben" haben - und das in doppelter Hinsicht. Einer, der das nicht nur in doppelter, sondern in vielfacher Hinsicht gemacht hat, war der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung, Dr. Heinz Wolff. Der publizistisch-politische Mitbegründer und langjährige Förderer der Bergischen Universität wäre am 30. März 90 Jahre alt geworden.
Der gebürtige Elberfelder, aufgewachsen in der Markomannenstraße, studierte nach dem Abitur Germanistik und Musikwissenschaft in Göttingen und promovierte dort. In diesen jungen Studentenjahren aber hatte er sich vom braunen Sog einfangen lassen. Später, in seinem zweiten Leben, hat Wolff das bitter bereut und auch büßen müssen. Vielleicht war sein Engagement als Journalist, der noch bis 1949 Berufsverbot hatte, auch deshalb um so drängender, sein Einsatz für das Gemeinwesen um so konsequenter: Als junger Mann war er den falschen Vorbildern gefolgt, aber er zog daraus die Konsequenz und wurde selbst zu einem Vorbild.

Lokalredakteur, später Lokalchef, dann stellvertretender Chefredakteur das war "nur" die eine, seine journalistische Seite. "Dr. W.", wie ihn - nach seinem Kürzel - nicht nur die Kollegen nannten, engagierte sich schon in den 50er Jahren im Deutschen Journalisten-Verband (DJV). Seit 1960 Vorsitzender des Vereins Bergische Presse, Mitglied in Landes- und Bundesvorstand des DJV, gehörte er seit 1966 dem Deutschen Presserat an, dem Selbstkontrollorgan der Printmedien. Sprecher des Deutschen Presserates hatte dieser Mann nach seiner Pensionierung werden sollen, die Nachfolge des legendären Chefredakteurs des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes, Eberhard Maseberg, antreten. Doch 1975 erreichte ihn seine Vergangenheit, und er verzichtete.

Zuhause, in "seinem" geliebten Wuppertal, über das er nicht nur unzählige Zeitungsartikel, sondern auch mehrere Bücher geschrieben hat, hat Heinz Wolff sich fast 40 Jahre lang für Große und Kleine eingesetzt, für den WSV, als der groß und erfolgreich war, und später auch, als er sportlich bedeutungsloser und finanziell ärmer geworden war. Immerhin hatte Dr. W. die beiden Bundesligajahre als Schatzmeister des WSV erlebt.

In der Elberfelder Südstadt, in die es den "Nordstädter" verschlagen hatte, war es der Bürgerverein, den er tatkräftig unterstützte, viele Jahre lang in dessen Vorstand und als Redakteur der kleinen Vereinszeitschrift, die er mit eben solcher Liebe redigierte wie seine Tageszeitung.

Und damit wären wir bei der Bergischen Universität. Denn sein größtes Verdienst um Wuppertal ist ganz sicherlich, daß er die Gründung der Hochschule entscheidend mit bewirkt hat, eben keineswegs "nur" als publizistischer Wegbereiter und Begleiter - das wäre ja allein schon viel gewesen. Schon Ende der 60er Jahre thematisierte er immer wieder die Forderung nach Gründung einer Universität in Wuppertal.

Nach der Landtagswahl 1970 stützte er den frisch gebackenen Wissenschaftsminister Johannes Rau massiv - und gegen den Willen des damaligen Ministerpräsidenten Heinz Kühn! - bei diesem großen Vorhaben der Hochschulgründung. Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung der Universität Köln ergab Ende der 70er Jahre, daß es ohne die publizistische und also politische Unterstützung der Westdeutschen Zeitung zu einer Universitätsgründung in Wuppertal wohl nicht gekommen wäre. Dahinter stand (und "steckte"...) dieser "Dr. W.".

Daß der Hauptstandort der neuen Uni (geografisch) Schreinerswiesen sein sollten, mitten in "seiner" Elberfelder Südstadt und umgeben von einem bürgerlichen Wohngebiet, das konnte Dr. W. nicht eine Sekunde lang irritieren, im Gegenteil. Als sich dort eine Bürgerinitiative gegen den Hochschulbau stark machte, setzte er sich an die Spitze der Gegenbewegung. In unzähligen Berichten und Kommentaren in "seiner" Zeitung und im Bürgerverein der Elberfelder Südstadt, aus dessen Reihen sich ja nicht wenige dieser Gegner rekrutierten.

Als Bewohner eines Hauses unmittelbar an der Einmündung Gaußstraße/Oberer Grifflenberg nahm er schließlich (und konsequent...) die enorme Veränderung dieses Stadtteils, den jahrelangen Baulärm, den explodierenden Verkehr, auch selbst in Kauf. Das machte ihm nicht nur nichts, sondern es freute ihn, was da unübersehbar wuchs - und daß er helfen konnte.

Als es dann soweit war, die Universität war gegründet, der Standort bestimmt, da war Dr. Heinz Wolff - neben dem ehemaligen Vorwerk-Chef Dr. Erich Mittelsten Scheid - der Gründer der Gesellschaft der Freunde der Bergischen Universität, die heute 600 Mitglieder zählt.

Bis weit über seine Pensionierung hinaus, nämlich bis wenige Wochen vor seinem Tod im Jahr 1988, blieb die Berichterstattung über die und aus der Bergischen Universität für die Westdeutsche Zeitung seine Passion. Übrigens, die Berufung seines Sohnes Professor Dr. Dieter Wolff, eines namhaften Anglisten, an die Bergische Universität, hat er leider nicht mehr erleben dürfen.

Unvollständig wäre diese Würdigung ohne die Erwähnung des Rotary-Clubs, in dem er lokal und bundesweit eine führende Rolle spielte. Als Pensionär noch übernahm er die Chefredaktion, dann die Herausgeberschaft von "Rotary Deutschland", der Zeitschrift des Clubs. Vor allem lag ihm die helfende, die "Service"-Funktion der Rotarier, gerade auch im karitativen Sektor, am Herzen.

Das spannt den Bogen zu der für Dr. Heinz Wolff wohl allerwichtigsten unter seinen vielen ehrenamtlichen Aufgaben. Das war seine geradezu leidenschaftliche Hinwendung zur Cronenberger "Lebenshilfe für geistig Behinderte". Lange Zeit Vorstandsvorsitzender, war dieses sein Engagement für behinderte Menschen, vor allem für geistig behinderte Kinder, vielleicht sein stillstes, am wenigsten spektakuläres Wirken, das für geistig Behinderte und ihre Lebensinteressen. Das war für Dr. Heinz Wolff, dem das unsägliche Wort vom "unwerten Leben" bis zum Tode im Ohr geklungen haben mag, in seinem Innersten, sozusagen für Kopf und Bauch, die wohl konsequenteste Wiedergutmachung.

Deshalb ist der Weg dieses Heinz Wolff, Verantwortung übernommen zu haben, zunächst für sich selbst, dann folgerichtig für andere, auch ein tatsächliches Musterbeispiel für wirkliche Vergangenheitsbewältigung, für eine, die den Namen verdient.

Es lohnt sich längst nicht nur für uns Journalisten, sondern für alle Wuppertaler, sich dieser herausragenden Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte zu erinnern.

MICHAEL KROEMER

Aktualisierung (15.05.2008):
Im Rahmen einer Vortragsreihe zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennungen hielt der Sozialpädagoge Dr. Dieter Nelles, Lehrbeauftragter Fachbereich Bildungs- und Sozialwissenschaften, einen Vortrag mit dem Titel "Vom Bücherverbrenner zum Chefredakteur: Dr. Heinz Wolff – Eine deutsche Karriere". Siehe auch: Dieter Nelles, "Dr. Heinz Wolff – Eine deutsche Karriere: Vom Chefpropagandisten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes zum stellvertretenden Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung/Generalanzeiger", in: "Geschichte in Wuppertal" (Hrsg. Bergischer Geschichtsverein, Abteilung Wuppertal e.V.), 2004, S. 116 ff.

Aktualisierung (16.07.2008):
Das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung (IZWT) der Bergischen Universität veranstaltete am 30.06.2008 eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Von der Bücherverbrennung zur Gründung der Bergischen Universität? Zur Karriere von Heinz Wolff".
Einen Artikel der Westdeutschen Zeitung zu der Podiumsdiskussion finden Sie hier.

Aktualisierung (17.09.2013):
Offener Brief von Prof. Dr. Klaus Schilling, emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Bergischen Universität
"Heinz Wolff - Karriere eines Bücherverbrenners", Artikel zur Ausstellung "Und euch zum Trotz", 11. Mai bis 1. Juni 2008 im Alten Rathaus Göttingen


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