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Pneo – das ist Wohnen im Orbit

14. März 2000

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Die Industrial Designerin Aleksandra Konopek und ihre Weltraumstation
Professor Tönis Käo und Professor Ernst Messerschmidt betreuten die Arbeit

Weltraum-Reihenhaus-AnlageWohnen im Weltraum", das könnte doch ein Thema für eine Diplomarbeit im Fach Industrial Design sein, dachte sich Aleksandra Konopek. Für das Ergebnis von vielen Monaten Recherche, Modellbau und Arbeitsbe-schreibung erhielt die 28jährige Solingerin dann von ihrem Prüfer Professor Tönis Käo und seinen Co-Prüfern eine glatte Eins.

Jetzt präsentierte die erfolgreiche Diplom-Designerin ihre futuristische Arbeit im Beisein von Presse, Funk und Fernsehen dem Wuppertaler Weltraumforscher Professor Dr. Dirk Offermann. Dessen lapidarer Kommentar: "Nice to have..." Prorektor Professor Dr. Karl-Heinz Becks, selbst Physiker: "Auf eine solche Absolventin kann die Uni stolz sein!"

Frau Konopek und Prof. KäoBei der faszinierenden Idee vom Entwurf eines Wohnmoduls, das sowohl für eine Wissenschafts-Crew als auch für den Weltraum-Tourismus geeignet ist, hatte Aleksandra Konopek neben den technischen Bedingungen auch psychologische, ökonomische und ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Die Designerin: "Ein bemanntes Weltraumprojekt beinhaltet alle diese Aspekte im extremsten Maße."

Immerhin hatte sie die Unterstützung von Experten der DaimlerChrysler Aerospace, der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) und von Professor Dr.-Ing. Ernst Messerschmidt gewinnen können, Chef des Instituts für Raumfahrtsysteme in Stuttgart.

Pneo Titel.jpg (18207 Byte)Aleksandra Konopek beschreibt ihre Eingangsüberlegungen so: "Herkömmliche zylindrische Module der bemannten Raumfahrt bieten wenig Lebensqualität. Da ist die beengte Wohnmöglichkeit, alles ist auf wenigen Kubikmetern untergebracht, niemand kann sich wirklich zurückziehen, die Schlafkojen gleichen Sardinenbüchsen. Zudem hat die gesamte Architektur den Anschein, die Bewohner lebten in einem Durchgang oder einem engen Flur - eine flurbildende Architektur, die wir bei Neubauten auf der Erde zu vermeiden versuchen."

pneo Gruppenbild.jpg (22628 Byte)Weltraumforscher Prof. Dr. Offermann konterte kühl: "Astronauten sind eine ganz besondere Sorte Menschen. Sie legen keinerlei Wert auf Komfort, und sie brauchen auch nicht viel Platz - kurze Wege sind für sie während des harten Einsatzes im Orbit viel wichtiger." Aleksandra Konopek parierte selbstbewußt: "Der Aufenthalt im Orbit ist sehr teuer. Eine erholte Besatzung kann die wertvolle Arbeitszeit motivierter und effizienter nutzen." Und dann beschreibt sie ihren Entwurf, von dessen Grundidee sie überzeugt ist: "Die Konstruktion der Kugel soll faltbar sein, damit das Gebilde in ein Space-Shuttle passt, sich automatisch mit pneumatischer Technologie entfaltet und nach Ablauf der Nutzungsphase (10 bis 15 Jahre) wieder zusammenfaltbar für den Rücktransport ist. Es sollten möglichst alle wichtigen Elemente wie Böden, Toilette, Dusche, Kojen bereits im Modul installiert sein, damit die Crew keine wertvolle Zeit am Aufbau der Inneneinrichtung verliert. Die Kugel ist in drei Decks unterteilt. In Betrieb bietet es für vier bis sechs Personen einen Raum von 382 m3 bei einem Innendurchmesser von neun Meter. Das Gewicht des Moduls könnte in etwa dem eines zwölf Meter langen Moduls der International Space Station (ISS) entsprechen."

Pneo werde im zusammengefalteten Zustand mit einem Raumtransporter in den Orbit befördert und mit Hilfe eines externen Roboterarmes an die ISS oder eine andere Konfiguration angedockt.

So faltet sich PNEO auseinander

Aleksandra Konopek, die vor ihrem Designstudium in Wuppertal vier Semester Physik in Köln studiert hatte, über die Faltkonstruktion: "Drei ringförmige technische Leisten kreuzen sich an zwei Knotenpunkten, den Hauptandockstutzen bzw. den Eingängen des Wohnmoduls. Diese Leisten haben vier Aufgabenbereiche zu erfüllen: Sie unterstützen den Falt- und Aufblasvorgang und fangen äußere Kräfte ab (Bahnanhebung, Ausweichmanöver etc.). Zudem führen sie alle Versorgungsleitungen für Wasser, Strom, Klimaanlage etc., und nehmen alle zu installierenden Elemente wie Schränke, Ablagen, Nasszellen und Trainingseinheiten auf. Die Ringe werden außerdem von einer starken flexiblen Hülle umgeben, die aufgrund des Innendrucks eine stabile Kugel ergibt."

Diese Kugel sei ein in sich ruhendes Objekt und bilde immer ein Zentrum, unabhängig vom Ort, an dem sie sich befinde. Das Kugelmodul biete die Möglichkeit, in diesem Zentrum zu leben. Für die Konfiguration der Raumstation könne das Modul an jeder sinnvollen Stelle angebracht werden. Jede flugfähige Kombination aus Kugeln und Zylindern oder auch nur aus Kugeln sei sinnvoll, solange sie den jeweiligen Nutzungsanforderungen entspreche, z.B. denen eines Weltraum-Hotels oder eines Forschungsinstituts."

MICHAEL KROEMER


WWW: Rainer Stephan, Dez 2.2