01.04.2004Robert Bosch
Stiftung zeichnet Wuppertaler Mathematiker aus
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Bei der Preisverleihung im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden (v.l.n.r.): Dr. Ing Heiner Gutberlet, Vorsitzender des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, Wolfgang Lindner, Universität Duisburg-Essen, Dipl.-Math. Karsten Blankenagel, Universität Wuppertal, Katrin Rolka, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Andreas Frommer, Universität Wuppertal, Prof. Dr. Günter Törner, Universität Duisburg-Essen, Alexander Körschgen, Schüler am Remscheider Leibniz-Gymnasium, und Sven Lorig, ARD-Fernsehmoderator. |
Die Leibnizsche Rechenmaschine von 1673 ist die erste Rechenmaschine überhaupt, die alle vier Grundrechenarten beherrschte. Die Anfangsmotivation für die Zusammenarbeit zwischen den Uni-Mathematikern und den Schülern war die Projektwoche des Remscheider Leibniz-Gymnasiums, bei der man aus Anlass des 175 jährigen Bestehens Projekte zum Namensgeber gemacht hat. Von der Leibniz-Maschine gibt es nur ein erhaltenes Original, das im Tresor der Landesbibliothek Hannover aufbewahrt wird, wo sie auch besichtigt werden konnte. Betätigen darf man die Maschine allerdings nicht. Deswegen wurde ein virtueller Nachbau erstellt, mit dem man das mechanische Prinzip der Maschine versteht.
Bei der Wuppertaler Schwebebahn bot sich für die
Mathematiker auch ein interessanter Aufhänger an: Während des derzeit
laufenden Umbaus gab und gibt es Gleisstellen, bei denen die Schwebebahn
sehr langsam fahren muss und dabei stark "ruckelt". Der Grund ist, dass
die neue Streckenführung gegenüber der alten leicht verändert wurde, damit
die Bahn in Zukunft schneller fahren kann; der Übergang von einem alten zu
einem neuen Gleisabschnitt teilweise sozusagen nicht glatt ist.
Dieses von Oberstudienrat Klaus Michael Gilges vom Gymnasium Sedanstrasse
gefundene Phänomen war der Auslöser, sich über elementare geometrische
Aufgaben (Niveau Klasse 9 und 10) Gedanken zu machen: Wie setze ich gerade
und kreisförmige Streckenstücke so aneinander, dass keine "Knicke"
entstehen? Im Zusammenhang mit der Schwebebahn stellten die Schüler der
Sedanstraße dazu eine Ausstellung auf die Beine, die auch Originalbaupläne
der Schwebebahnstrecke enthielt. Schlussendlich entstand in
Gemeinschaftsarbeit von Gymnasium und Uni ein interaktives Modul,
programmiert von Studierenden der Informationstechnologie, bei dem man
sich einen Originalverlauf der Wupper aussuchen kann, z.B. am Zoo. Über
diesem Verlauf wird eine Trasse konstruiert aus Geraden und kreisförmigen
Stücken. Darauf wird in einer digitalen Animation getestet, wie schnell
die Schwebebahn den konstruierten Streckenabschnitt bewältigt.
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Prof. Dr. Harald Scheid und Dipl.-Math. Stefanie Krivsky, hier bei der längsten Vorlesung aller Zeiten am 13./14. September 2002 in der Unterbamer Pauluskirche. |
Das "Sokratische Gruppengespräch" ist eine besondere
Lernform (nach dem Philosophen Leonard Nelson und dem Pädagogen Gustav
Heckmann): Sagt nur, was ihr wirklich denkt. Alle müssen von einem
Gedanken wirklich überzeugt sein, bevor sie ihm zustimmen. Jeder Gedanke
muss in einem Satz festgehalten werden, alle aus der Gruppe müssen
beteiligt sein. Prof. Dr. Blankenagel bietet solche Unterrichtsformen für
Schüler in Zusammenarbeit dem dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Remscheid,
an, betreibt damit aber auch Begabtenförderung. Beispiel für eine solche
Frage: Ein Tetraeder, also ein Körper aus vier Dreiecken, ist schwarz bis
auf die eine Fläche, auf der er liegt; die ist weiß. Jetzt wird der
Tetraeder bewegt, und zwar über seine Kanten "gerollt". Er soll nach einer
Weile wieder an die ursprüngliche Stelle zurückkommen, an der er lag.
Liegt dann die weiße Fläche wieder unten?
Zitat aus der Urkunde: "Der Sonderpreis wird für ein besonders
erfolgreiches Nat-Working Netz verliehen. Die zahlreichen Einzelprojekte
liefern gute Beispiele dafür, wie eine Veränderung der Kultur des
Mathematikunterrichts gelingen kann. Auf vorbildliche Weise führen Lehrer
und Wissenschaftler die Schüler an den kreativen Umgang mit Mathematik
heran. So wird Mathematik lebendig!"
Seit dem Start des Programms im Jahr 2000 arbeiten über 20 000 Schüler und
Lehrer sowie 500 Wissenschaftler im NaT-Working-Netzwerk zusammen.
Insgesamt hat die Stiftung diese Projekte mit rund 2,6 Millionen Euro
gefördert.
www.nat-working.de
www.bosch-stiftung.de
www.uni-duisburg.de/fb11/projects/natw/
www.matheprisma.de