16.06.2005

Tür an Tür mit ALiCE
Umzug: Deutschlands größter Uni-Computer jetzt auf dem Freudenberg
Mit 130 Kilowatt zwei Billionen Rechenoperationen pro Sekunde

Eines der großen Aggregate der ALiCEnext-Klimatechnik, hier einmal mit dem "Fischauge" fotografiert (extremes Weitwinkelobjektiv, 8mm).

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Fotos Andreas Fischer/
Westdeutsche Zeitung.

ALiCEnext, der neue Supercomputer der Bergischen Uni, hat jetzt auf dem Campus Freudenberg seinen endgültigen Standort eingenommen. Ein Gebäude auf dem Campus Freudenberg wurde für den Rechner für 450.000 Euro hergerichtet, wovon allein die Klimatechnik 240.000 Euro ausmachte.

ALiCEnext ist ein ziemlich heißes Teil mit einer Leistungsaufnahme von 130 kW und produziert entsprechend viel Abwärme, die wiederum gekühlt werden muss. ALiCEnext ("Advanced Linux Cluster Engine, next generation") hat nach dem LIN-PACK-Benchmark, einer universellen Leistungsbeurteilung für Großrechner, eine Spitzenleistung von etwas über zwei Billionen Rechenoperationen pro Sekunde. In der Liste der 500 größten weltweit installierten Rechner nimmt die Wuppertaler Maschine damit Platz 94 ein, in Deutschland Platz 5, unter den deutschen Universitätsrechnern sogar Platz 1!

ALiCEnext war nach der Auslieferung zunächst provisorisch auf dem Campus Grifflenberg installiert worden. Nach Fertigstellung des Neubaus auf dem Campus Freudenberg und der Installation der aufwendigen Klimatechnik konnte im April mit dem Aufbau des Supercomputers begonnen werden. Inzwischen sind die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass ALiCEnext am Tag der offenen Tür (25. Juni) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Marisa Sandhoff (24) aus Wetter studiert mit großer Begeisterung im 10. Semester Physik und will demnächst bei Prof. Dr. Peter Mättig promovieren.

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ALiCEnext besteht aus 1024 AMD-Opteron-Prozessoren, wie sie auch in PCs eingebaut sind. Diese Prozessoren befinden sich bei ALiCEnext allerdings nicht in gewöhnlichen PC-Gehäusen, sondern in Türmen mit Hochintegrierter Technologie (Blade-Technologie). Sie sind durch ein doppeltes Kommunikationsnetzwerk verbunden, das den Prozessoren den superschnellen Datenaustausch gestattet. Supercomputer mit einer solchen Architektur nennt man Cluster. Und noch ein Superlativ: ALiCEnext ist europaweit der größte universitäre Clustercomputer.

ALiCEnext dient vor allem der Simulation physikalischer Prozesse, z.B. dem Vorhersagen über die Eigenschaften von Elementarteilchen (Prof. Dr. Zoltán Fodor), aber auch zur Auswertung physikalischer Experimente, wie sie in der experimentellen Teilchenphysik am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf (Prof. Dr. Peter Mättig) oder in großen Feldversuchen der Astroteilchenphysik (Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert) gemacht werden. Einsatz und Betrieb eines Clustercomputers erfordern angepasste numerische Verfahren (Prof. Dr. Andreas Frommer, Prof. Dr. Bruno Lang) und optimierte Kommunikationssoftware (Prof. Dr. Dr. Thomas Lippert, früher Uni Wuppertal, jetzt Forschungszentrum Jülich, wo auch der größte deutsche Computer steht, Weltrangliste Platz 30). Im Rahmen des neuen "Zentrums für Angewandte Informatik und Scientific Computing" der Bergischen Universität werden weitere Wissenschaftler der Hochschule ALiCEnext nutzen.

Dr. Christian Hölbling, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Zoltán Fodor im Fachgebiet Theoretische Physik.

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Geliefert wurde der Supercomputer 2004 von der Firma CADAC (Berlin) in Kooperation mit Angstrom Ltd. (Boston, USA). Die Hälfte der Kosten von insgesamt 1,5 Millionen Euro trug der Bund, das Land NRW übernahm 35 Prozent und die Hochschule 15 Prozent aus Eigenmitteln.

ALiCEnext hat eine Leistungsaufnahme von 130 kW; dieselbe Leistung muss noch einmal für die Kühlung aufgebracht werden. Die durch ALiCEnext erwärmte Luft wird über Bodeneinlässe angesaugt, über ein Kühlregister abgekühlt und dem Raum als abgekühlte Umluft wieder zugeführt. Der Anteil der Umluft beträgt etwa die Hälfte vom Volumenstrom der Rechneranlage von 80.000 Kubikmeter pro Stunde. Die Lüftungsanlage saugt 40.000 Kubikmeter pro Stunde Außenluft an, kühlt diese Luft auf ca. 13 Grad ab und bläst sie in den Raum. Bei Außentemperaturen unterhalb der Ablufttemperatur (ca. 30°C) reduziert sich die abgenommene Kühlleistung der Kältemaschine, bei Außentemperaturen unterhalb von 13 Grad wird die Kältemaschine ausgeschaltet und die Kühlung erfolgt nur durch die Außenluft. Die Lüftungsanlage wurde von Dipl.-Ing. Ulrich Wissemann vom Dezernat für Gebäudemanagement der Hochschulverwaltung geplant, ausführende Firma war das Wuppertaler Unternehmen Fries & Hüttermann.

ALiCEnext ist europaweit der größte universitäre Cluster-Computer.

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Die Klimatechnik für ALiCEnext hat ca. 240.000 Euro gekostet.

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www.alicenext.uni-wuppertal.de
www.top500.org
www.amd.com/de-de
www.cadac.de
www.angstrom.com
 

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