WUPPERTALER UNIMAGAZIN      

Nr. 34 - Wintersemester 2006/2007


Unsere erste Ehrenbürgerin

Autorin, Kunstsammlerin, Mäzenin: Stella Baum starb im Alter von 85 Jahren
Eine Würdigung von Michael Kroemer

Stella Baum im Sommer 2005.

Foto Jutta Thielenhaus

Stella Baum, Ehrenbürgerin der Bergischen Universität, ist am 27. November im Alter von 85 Jahren verstorben. 

Schon kurze Zeit nach Gründung der Gesamthochschule Wuppertal 1972 wurden Stella und Gustav Adolf Baum am 24. November 1976 zu ersten Ehrenbürgern der Hochschule ernannt. Sie hatten sich in der Aufbauzeit der neu gegründeten Hochschule um die Entwicklung Wuppertals zur Universitätsstadt nachhaltig verdient gemacht.

Im Hause Baum wurden zahlreiche Kontakte zwischen Gründungsrektorat, neu nach Wuppertal berufenen Professoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Stadt und Land mit Wirtschaft, Politik und Kunst geknüpft. Daraus entwickelte sich über fast 30 Jahre eine enge Verbundenheit zwischen dem Ehepaar Baum und der Universität. 1996 wurden beide aus Anlass ihres 20jährigen Jubiläums als Ehrenbürger im Beisein von Ministerpräsident Johannes Rau geehrt. Gustav Adolf Baum war vor zwei Jahren im Alter von 90 Jahren verstorben.

Rektor Prof. Dr. Dr.h.c. Volker Ronge würdigt Stella Baum in seinem Nachruf: "Ungezählte Universitätsangehörige konnten die Gastfreundschaft ihrer Ehrenbürgerin Stella Baum und in vielen, vor allem gesellschaftlichen Fragen auch ihren klugen Rat erfahren. Die Bergische Universität wird das Andenken Stella Baums in Ehren halten."

2002: Stella Baum zeigt ihre Collagen prominenter Zeitgenossen (Hintergrund: Johannes Rau als römischer Senator) in der Universitätsbibliothek, hier mit Rektor Prof. Dr. Volker Ronge, ihrem Mann Gustav Adolf und dem ehemaligen Bibliotheksdirektor Dr. Dieter Stäglich. Titel der Bilderschau: "Stella Baum - Wenn's ernst wird".

Foto Petra Zöllner

Stella Baum war auch als Autorin, Kunstsammlerin und Mäzenin aktiv und bekannt und trat mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen zu Kunst- und Gegenwartsfragen an die Öffentlichkeit. Sie hat zwei Bücher über den Tod geschrieben: "Der  verborgene Tod: Auskünfte über ein Tabu" mit einem Vorwort von Peter Härtling (S. Fischer, 1976) sowie "Plötzlich und  unerwartet: Über Todesanzeigen" (Ullstein, 1981).

Stella Baum regte eine Doktorarbeit über Loriot alias Vicco von Bülow an, die von Dr. Stefan Neumann mit Förderung durch das Ehepaar Baum auch realisiert und von Prof. Dr. Heinz Rölleke betreut wurde. Eine Folge dieser Befassung mit dem Lebenswerk von Bülows war, dass der seinerzeitige Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften von Bülow die Ehrendoktorwürde verlieh.
 

"Wenn der Tod zur Diskussion steht, wird damit eine Aussage über das Wesen des Menschen gemacht." (Josef Beuys im Gespräch mit Stella Baum, aufgezeichnet in ihrem 1980 erschienenen Buch über Todesanzeigen "Plötzlich und unerwartet".)

"Stella Baum ist keine Journalistin, keine Schriftstellerin. Sie führt einen großen Haushalt, sie hat Kinder großgezogen. Aber sie hat sich ihre Neugier bewahrt, hat nie aufgehört, ihre Umgebung zu befragen. Das macht sie zur Schriftstellerin." (Peter Härtling im Vorwort zu Stella Baums 1976 erschienenen Buch "Der verborgene Tod – Auskünfte über ein Tabu".)

2001: Stella Baum und Loriot anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Bergischen Universität an Vicco von Bülow.

Foto Petra Zöllner

Vor etlichen Jahren hatte ich den Wunsch, Herrn von Bülow kennen zu lernen und schrieb ihm einen Brief, in dem ich mich als ‚Hausfrau’ outete, die gelegentlich kleinere Sachen schreibt. Ich hatte dem Brief ein paar Beispiele mitgeschickt, um meinen Stil vorzustellen. Es war tiefster Winter, als ich aus Starnberg zu Bülows gefahren wurde. Hier, in der Häuslichkeit der Bülows, erscheinen mir meine vorbereiteten Fragen langweilig und uninteressant.

Loriot führt uns unsere kleinen Schwächen vor und auch die größeren. Wir finden uns tatsächlich ziemlich komisch und lachen, wie er sagt. Was ihn aber wirklich bekümmert, ist, dass sich nichts bewegt: Der Moralist bleibt auf der Strecke. Im Stillen zweifle ich, ob es wirklich wünschenswert sei, dass der Moralist sich durchsetzt?! Die Menschheit würde langweilig. Es gäbe keine Probleme, Kriege, strittige Fragen. Wir hätten keine Philosophie, keine Literatur, keine Bösewichte. Wir wären ohne Loriot." (Stella Baum in einem Beitrag für das UNI MAGAZIN im Oktober 2003, wenige Wochen nach Verleihung der Ehrendoktorwürde der Bergischen Universität an Vicco von Bülow.)
 

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