Ein Spektakuläres Projekt des Bauinformatikers Prof. Dr.-Ing. Georg Pegelswurde auf einem Parkplatz des Campus Haspel von iranischen Studenten realisiert

Das erdbebensichere Musterhaus!

Ein Spektakuläres Projekt des Bauinformatikers Prof. Dr.-Ing. Georg Pegels
wurde auf einem Parkplatz des Campus Haspel von iranischen Studenten realisiert

Die Bergische Universität Wuppertal und die Technische Universität Isfahan (Iran) sind an die Lösung eines der dringendsten Probleme von Entwicklungsländern gegangen, den Bau erdbebensicherer Häuser. Das schafft Wohnraum und Arbeitsplätze zugleich. Mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) haben iranische Studentinnen und Studenten des Bauingenieurwesens auf einem Parkplatz der Universität ein erdbebensicheres Musterhaus in Bergischer Fachwerkbauweise mit iranischer Architektur gebaut. Das Projekt wurde im Rahmen des DAAD-Programms „Deutsch- Arabisch/Iranischer Hochschuldialog“ aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert. Damit es in vorbildlicher Qualität trotz eines unmöglich erscheinenden Terminplans – Bauzeit neun Tage bis zum Richtfest! – pünktlich fertig wurde, war als Bauleiter der jahrgangsbeste Absolvent der Wuppertaler Bauingenieure eingesetzt worden, Dipl.-Ing. Alireza Eghdam, der selbst aus dem Iran stammt.

Durch das starke Bevölkerungswachstum fehlen im Iran Millionen von Wohnungen. Diese müssten erdbebensicher sein, denn der Iran ist das Land mit dem weltweit höchsten Erdbeben-Risikopotential. Etwa 70 Millionen Menschen leben zumeist ausgerechnet auf sogenannten Verwerfungszonen. Wohnhäuser in Fachwerkbauweise haben stärkste Erdbeben überstanden, während moderne Stahlbetonbauten versagten: Fachwerkhäuser verkraften von Natur aus durch die typischen diagonalen Träger auch die gefährlichen horizontalen Erdbebenstöße. Das erdbebensichere Wuppertaler Musterhaus besteht sogar statt aus Holz aus einem Stahlfachwerk, was noch sicherer ist. Außerdem ist Holz als Rohstoff im Iran nur schwer erhältlich. Fachwerk als architektonisches Stilelement hat einen weiteren Vorteil: Die Bewohner können das Sicherheit gebende Tragwerk mit eigenen Augen sehen und prüfen. Das Fehlen entscheidender Bauelemente, beispielsweise der typischen Fachwerkdiagonalen würde sofort auffallen. Projektleiter und Initiator Prof. Dr.-Ing. Georg Pegels: „Diese Bauweise ist korruptionssicher! Und das ist ein Schlüsselkriterium in vielen Entwicklungsländern.“

70 iranische Studentinnen und Studenten aus Isfahan, einer Stadt mit eineinhalb Millionen Einwohnern (übrigens Partnerstadt von Freiburg), hielten sich in Wuppertal auf. Zur TU Isfahan, an der im Herbst auch ein DAAD-Lektorat eingerichtet wurde, besteht seit 2002 eine Verbindung. Im vergangenen Jahr hatte Dr. Hossein Amiri Khamkani, Vorsitzender der Kommission Education & Research des iranischen Parlaments, der sich auf Einladung der Bundesregierung in Deutschland aufhielt, Prof. Pegels besucht und zugesagt, das Kooperationsmodell Wuppertal-Isfahan zu unterstützen.

Bauleiter Dipl.-Ing. Alireza Eghdam hat sein gesamtes Studium und das seiner Schwester durch eigene Arbeit finanziert, jeweils ein Jahr im eigenen Kleinunternehmen (SteelDesign) als Schlosser gearbeitet, dann wieder ein Jahr studiert, dann wieder geschlossert. Im Endspurt konzentrierte er sich voll auf sein Studium. Sämtliche Fächer packte er mit 1,0.

Im nächsten Jahr wird das erdbebensichere Musterhaus, das im letzten Frühjahr auch auf der HannoverMesse 2007 präsentiert worden war, in Isfahan nochmals neu aufgebaut. Ab dann kommen jährlich etwa 40 Studenten aus dem Iran zum Bauingenieurstudium nach Wuppertal. Nach drei Jahren in ihrer Heimat schließen sie das letzte Studienjahr in Wuppertal mit Projektseminaren und integriertem Deutschkurs im Bauingenieurwesen mit der Bachelor-Thesis ab.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Georg Pegels
Telefon 0202/439-4015, Fax -4033

pegels@uni-wuppertal.de

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